Suizidgedanken – Wie Reden Leben retten kann. Zwei Perspektiven

Shownotes

Weiterführende Informationen • Krisendienste Bayern: https://www.krisendienste.bayern • Münchner Bündnis gegen Depression: https://www.muenchen-depression.de • Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de • kbo – Kliniken des Bezirks Oberbayern: https://www.kbo.de • Bezirk Oberbayern: https://www.bezirk-oberbayern.de • Oberbayerische Initiative der Angehörigen psychisch Erkrankter: https://www.angehoerige-oberbayern.de • Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener (OSPE) e. V.: https://www.ospe-ev.de Hilfe in psychischen Krisen Wenn Sie selbst Suizidgedanken haben oder sich Sorgen um einen anderen Menschen machen, holen Sie sich Unterstützung. Krisendienste Bayern Telefon: 0800 655 3000 Kostenfrei und rund um die Uhr erreichbar. Auch Angehörige, Freunde und andere Bezugspersonen können sich an die Krisendienste Bayern wenden. TelefonSeelsorge Telefon: 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 Bei akuter Lebensgefahr wählen Sie bitte den Notruf 112. Über den Podcast Psyche im Quadrat ist eine Gemeinschaftsproduktion von: • Bezirk Oberbayern • kbo – Kliniken des Bezirks Oberbayern • Oberbayerische Selbsthilfe Psychiatrie-Erfahrener (OSPE) e. V. • Oberbayerische Initiative der Angehörigen psychisch Erkrankter Der Podcast informiert über psychische Erkrankungen, stellt Hilfsangebote vor und bringt unterschiedliche Perspektiven zusammen: die von Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen. Gemeinsam möchten wir Verständnis fördern, Vorurteile abbauen und Orientierung im Hilfesystem geben.

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00:00:13: Willkommen bei Psyche im Quadrat.

00:00:15: Wie schön, dass Sie auch wieder bei unserer siebten Folge dabei sind!

00:00:18: Zur heutigen Ausgabe möchte ich zu Beginn eine kurze Triggerwarnung aussprechen.

00:00:23: In dieser Folge sprechen wir offen über Suizidalität, Suizitgedanken und psychische Krisen Wenn du gerade selbst in einer schwierigen Phase bist.

00:00:32: Du musst diese Folge nicht alleine hören Und auch nicht zur Ende hören wenn es dir gerade nicht gut geht.

00:00:37: Der Krisendienstpsychiatrie Oberbayern ist kostenlos anonym und rund um die Uhr erreichbar.

00:00:43: unter Null-Achthundert, Sechs-Fünf-Fünf, Dreitausend.

00:00:48: Wir haben das Datum unserer Veröffentlichung sehr bewusst gewählt.

00:00:52: Im Jahr zwei Tausend drei hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Zehnten September eines jeden Jahres zum Welttag der Suizidprävention ausgerufen.

00:01:03: Unsere heutige Ausgabe heißt deshalb Suizitgedanken wie reden leben retten kann zwei Perspektiven.

00:01:11: Mein Name ist Matthias Riedl-Rüppel und ich freue mich heute wieder, zwei Gäste im Kleinteater Habe grüßen zu dürfen!

00:01:18: Wir zeichnen diesen Podcast jetzt zum siebten Mal im Bühnenhaus des Theaters auf – Ich bin hier Intendant.

00:01:24: Unser Ziel ist es über psychische Erkrankungen und verschiedene Hilfsmodelle zu informieren.

00:01:30: Deshalb kommen in diesem Podcast Menschen zu Wort die auf unterschiedliche Weise betroffen sind Betroffene, die ihren Alltag bewältigen.

00:01:38: Angehörige, die unterstützen und Orientierung geben.

00:01:42: Fachkräfte, die behandeln und begleiten sowie Vertreter des Bezirks Oberbayern der viele Unterstützungsangebote finanziert und organisiert.

00:01:51: Diese verschiedenen Perspektiven zusammengeführt eröffnet neue gemeinsame Wege des Verstehens und des Unterstützens.

00:01:58: Wir möchten Ihnen gemeinsam Orientierung zum Umgang mit verschiedenen Themen und Erfahrungen zur psychischen Gesundheit geben, begleiten Sie uns doch auch weiterhin auf dieser Reise!

00:02:09: Heute sprechen wir über ein Thema das vielen bekannt ist und über das trotzdem viel zu selten geredet wird – Suizidalität Suizidgedanken, Krisen in denen das Leben sich anfühlt.

00:02:20: Es gäbe es kein Ausweg mehr dazu.

00:02:22: vielleicht ein paar Zahlen die zeigen warum dieses Gespräch heute besonders wichtig ist.

00:02:26: Im Jahr zwei tausend vierundzwanzig nahmen sich alleine in Bayern Eintausend acht hundert fünfzig Menschen das Leben.

00:02:34: deutschlandweit waren es Zehntausend dreihundert Zweiundsiebzig Rund sieben Prozent mehr als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

00:02:42: etwa seventy-fünf Prozent davon waren Männer Unterhinter jeder dieser Zahl steht ein Mensch und einen Umfeld aus Angehörigen, Freunden, Kolleginnen und Kollegen.

00:02:54: Ich habe heute wieder zwei sehr spannende Gesprächspartnerinnen.

00:02:58: Zunächst begrüße ich Frau Dr.

00:03:00: Carolina de Valerio die zwei Sichtweisen in unser Gespräch einbringen wird!

00:03:05: Die promovierte evangelische Theologin hat selbst eine suizidale Krise erlebt und ist heute bereit darüber mit uns zu sprechen.

00:03:12: Als Ex-Inn-Genesungsbegleiterin arbeitet sie heute für das München Erbündnis gegen Depression.

00:03:18: Dort bietet sie unter anderem Pier to Pier Beratung an, was das genau ist darüber sprechen wir heute noch.

00:03:25: Meine zweite Gesprächspartnerin ist Victoria Kramer.

00:03:28: Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist die medizinische Leiterin der Leitstelle des Krisendienstes Bayern im Bezirk Schwaben mit Sitz in Augsburg.

00:03:38: Ich danke euch erst mal vor euer Kom, um die Bereitschaft über dieses heikle schwierige und doch so wichtige Thema zu sprechen – etwas das wir vielleicht schon vorher hätten tun sollen!

00:03:48: Schon bei unserem Vorgespräch vor einer Woche ungefähr wurde deutlich, wir wollen heute sehr direkt die Dinge beim Namen nennen.

00:03:54: Nicht um zu schockieren sondern um aufzuklären und weil wir glauben dass genaues hinschauen und darüber sprechen Leben retten kann.

00:04:03: Deshalb aber schon an dieser Stelle der Appell an Sie liebe Zuhörenden sollten sie Suizidgefühle haben so werden Ihnen nochmals am Ende des Podcasts auch unsere Shownotz Hinweiskontakte benannt.

00:04:14: es gibt verschiedene Hilfswerke an diese sich gut wenden können.

00:04:18: Wir machen ja diesen Podcast auch deshalb, weil eine gute Aufklärung über das Thema psychische Gesundheit dazu beiträgt, Schwellenängste in das Hilfesystem abzubauen und die Menschen sowohl Betroffene als auch deren soziales Umfeld zu motivieren sich Hilfe zu holen.

00:04:32: Suizidialität ist dabei ein Wort, bei dem es besonders schwer fällt, das auszusprechen.

00:04:37: Was glaubt ihr?

00:04:39: Warum sich die Gesellschaft so schwer tut genau darüber zu sprechen?

00:04:43: und wie geht es euch auch wenn euer Blick natürlich mittlerweile ein sehr professioneller ist mit diesem Wort an sich?

00:04:48: Carolina Wie ist es bei dir?

00:04:51: Also ich glaube, dass die Gesellschaft es schwer hat mit tiefen Traurichen oder vielleicht sogar negativen Gefühlen gut umzugehen.

00:04:59: Hinzuschauen wo wirklich Schmerz und Leid ist, ist schwierig und das macht den Betroffenen auch nicht leichter.

00:05:06: wenn sie das Dunkel erlebt haben dann werden Sie oft stigmatisiert und ich glaub' das ist das Schwierige.

00:05:12: Wie erlebst du das aus ärztlicher Perspektive?

00:05:14: Und wie geht's dir, wenn Du dieses Wort heutzutage vielleicht benutzt?

00:05:18: Genau eben Fachlichen Kontext benutze ich dieses Wort natürlich sehr, sehr häufig.

00:05:23: Und das ist ein Großteil unserer Arbeit auch eben Soizialität abzuklären und deswegen fällt es mir in dem Kontext auch leichter das Wort zu benutzen weil Ich weiß dass ich den Menschen damit helfen kann wenn ich's direkt anspreche.

00:05:37: Im privaten Umfeld ist das oft anders.

00:05:38: da tue ich mich selber auch schwer Freundinnen zum Beispiel zu beraten von denen ich weiß die sind in der Lebenskrise und äußeren Sachen wie ich mag nicht mehr leben ich kann nicht mehr.

00:05:48: Da habe selber bemerkt, dass es mir da schwerer fällt.

00:05:52: Wobei ich ja durch das Wissen, dass ich ihnen helfe wenn ich's direkt anspreche, das natürlich auch

00:05:57: tue.".

00:05:58: Und trotzdem ist es glaube ich ein Wort bei dem vielleicht auch die Problematik ist, dass eine wirklich Endlichkeit zeigt.

00:06:06: also wenn dieser Entschluss gefasst ist dann gibt es kein Zurück mehr.

00:06:11: In meiner Anmoderation Karolina habe ich bereits deine Piatopierberatung erwähnt, die du als Genesungsbegleiterin für das Münchner Bündnis gegen Depression anbietest.

00:06:20: Das bedeutet erstmal zwei Dinge.

00:06:22: Du setzt dich auf einer professionellen Ebene mit dem Thema Suizidalität auseinander.

00:06:27: Ex-In bedeutet aber auch gleichzeitig, du hast eine Sicht der Betroffenheit – du kennst diese Krise!

00:06:35: Wie ist es für dich aus deinem persönlichen Leben heraus?

00:06:38: Warum ist es so wichtig, über dieses Thema zu sprechen und auch Veraufklärung zu sorgen.

00:06:43: Mir ist natürlich besonders wichtig dass wir weniger stigmatisiert werden und auch andere weniger stikmatisieren.

00:06:50: Und das ist eben das Thema.

00:06:52: wenn Menschen sich auftun sozusagen ihr inneres nach Außen stülpen und auch wirklich offen dann dazu stehen da sie Hilfe brauchen dass es dann einfach schwierig ist.

00:07:02: Aber die geteilte Lebenswelt mit Betroffenen macht die Wege kürzer, die wege des Vertrauens und das ist eben auch der Ex-Innsatz, dass wir vielleicht leichter zu Menschen kommen – ich habe in der Pirberatung zum Beispiel Menschen, die anrufen wegen Suizidgedanken oder Gefühlen oder Verhalten was in die Richtung geht.

00:07:21: Also Suizitgedanken sind nicht alleine Gedanken sondern betreffen unser ganzes Mensch sein,

00:07:33: Wir haben ja im Vorfeld auch besprochen, dass du durchaus deine persönliche Geschichte mit in dieses Gespräch einbringst.

00:07:40: Was ich sehr mutig finde.

00:07:41: Vielen vielen Dank dafür!

00:07:43: Wie ist denn deine Geschichte?

00:07:44: Also wann war es bei dir so weit, dass Du das Gefühl hattest, Ich kann hier nicht weiter machen?

00:07:50: Bei mir war's nach der Geburt.

00:07:53: Das ist ungefähr vierundzwanzig Jahre her.

00:08:00: Es war schwierig, weil ich nach der Geburt einen Krankheitsschub hatte.

00:08:07: dass das Leben schwer war, in die neue Rolle reinzukommen als Mutter.

00:08:11: Das ist mir nicht so einfach zugefallen.

00:08:14: Es war eine schwierige Situation zu Hause weil wir nicht alleine zurecht gekommen sind also über Umwege.

00:08:21: Ist es uns dann gelungen Familienpflege zu bekommen?

00:08:24: Nicht allein heißt aber auch du bist mit deinem Mann... Ja

00:08:26: mit meinem Mann, der hat mich sehr unterstützt.

00:08:29: Aber es waren so Situationen da sich halt schlafgestützt im Schlaftzimmer geschlafen haben mein Also das Baby, unsere Tochter und mein Mann im Wohnzimmer die Nacht verbracht haben.

00:08:41: Das hat eine große Einsamkeit erzeugt.

00:08:43: Und auch dieses was ziehe ich an?

00:08:45: wie kann ich es gut schaffen?

00:08:48: Die Kost zuzubereiten des Stillen hat schwer geklappt also ganz viele Kleinigkeiten aber auch die Länge.

00:08:56: Es hat sich dann immer mehr zugespitzt.

00:08:59: Mein Mann hat einen hat ein Assessment-Gesenter gehabt von der Arbeit.

00:09:04: Er musste übernachten, er musste da teilnehmen.

00:09:06: Ich habe extra eine Freundin bestellt, dass ich nicht die Nacht alleine verbringe mit dem Psychiater war, der Plan das sich wirklich alles versuche um nicht in die Klinik zu kommen.

00:09:16: aber es ging dann nicht anders und das hat sich zugespitzt und es war klar nach diesem Assessment Center hab' ich halt die ganze Nacht wahrscheinlich nicht geschlafen, da fehlt die Erinnerung.

00:09:28: Ich hab gewusst, ich muss jetzt in die Klinik.

00:09:32: Es geht nicht alleine.

00:09:34: Es hat sich zugespitzt, die Suizidgedankengefühle sind schwerer geworden und dann bin ich in die klinik

00:09:39: gegangen.".

00:09:40: Du hast am Anfang deiner Ausführung gesagt du hättest ein Krankheitsschub bekommen.

00:09:45: das heißt?

00:09:45: Du hattest auch schon vorher eine psychische Erkrankung, die dir bekannt war?

00:09:49: Genau also das ist in den neunziger Jahren am Ende der Doktorarbeit ... Also die Doktorbeit hat mich am Ende sehr überfordert.

00:09:56: Ich habe Tag und Nacht gearbeitet.

00:09:58: Dann hat es nach einem Vierteljahr ging dann das Referendariat an und da musste ich gleichzeitig auf die Promotionsprüfung lernen.

00:10:06: Und das hat mich dann einfach zum Zusammenbruch und zu einer Erkrankung geführt, also der erste große Schub ist da und mit der Geburt war das dann das zweite

00:10:16: Mal.".

00:10:17: Okay!

00:10:19: Wie kannst du dein Gefühl beschreiben dieser Ausweglosigkeit?

00:10:24: Wie würdest du das vielleicht bildlich darstellen?

00:10:32: Für die Krankheit habe ich immer das Bild eines Felsens gehabt, weil ich lange Zeit das Gefühl hatte, ich bin komplett gelähmt und es geht gar nichts.

00:10:40: Und ich kann nur aushalten, durchstehen, abwarten mit der Suizidalität.

00:10:46: Es ist schwierig ... Ich bin nicht mehr in dem Zustand.

00:10:53: Das ist gut so, dass wir die Gnade des Vergessens haben und auch die schweren Dinge vergessen können Aber für mich war es einfach unausweichlich.

00:11:04: Dann, der Blick hat sich verengt wie in einem ganz schmallen Tunnel wo's dann immer dunkler ist und kein Licht mehr durchkommt uns nicht weiter geht.

00:11:14: vielleicht so.

00:11:15: Also ich hätte gerne vermieden ins Krankenhaus zu gehen aber dieser Ausweg, der war dann leichter als alles andere, also die Gefahr noch weiter steigen zu lassen, dass ich dann anfange Pläne zu machen.

00:11:30: Du hattest gerade eben schon deinen Psychiater erwähnt, der offensichtlicherweise offen war und die sofort erkannt hat?

00:11:37: Gab es andere Menschen mit denen du gut sprechen konntest in dieser Phase?

00:11:41: Also das war schon mein Mann da!

00:11:43: Der war sehr verständnisvoll.

00:11:44: auch die ganze lebenslange Zeit wir verheiratet sind... Wir sind immer noch zusammen und es geht uns gut.

00:11:54: Aber es waren natürlich auch unsere Eltern, die Schwiegereltern, die nach der Geburt natürlich auch gekommen sind und das Kind begrüßen wollten ist ja klar.

00:12:04: Aber diese Suizidalität im Eignen habe ich nicht gut teilen können.

00:12:09: Ich war nicht jeden Tag beim Psychiatern.

00:12:11: Das war auch nicht möglich.

00:12:13: Die Hebamme hat sich von Anfang an von diesem ganzen Thema sehr zurückgezogen, war unsicher ... Und das hat es nicht erleichtert, also ich glaube mehr sprechen zu können ist eine große Hilfe wenn man selber dazu bereit ist.

00:12:27: Hast du auch das Gefühl gehabt dass deine Familie vielleicht auch mit so einer Information überfordert gewesen wäre?

00:12:33: Also gerade wenn man hört Eltern oder Schwiegereltern, dass die vielleicht sagen Buh warum.

00:12:40: Es ist so, dass mein Vater selber psychisch krank war und damit auch verstorben ist.

00:12:44: Also eine schwierige Geschichte.

00:12:47: also ich kenne auch die angehörigen Perspektive.

00:12:49: da ist klar das ich dann niemals was gesagt hätte und auch mit meiner Mutter war das Verhältnis nicht so einfach Und ich denke nicht, dass sich mit ihr über die Sozialität sprechen hätte können und wollen.

00:13:03: beides

00:13:04: Ich glaube der König vielleicht auch Beides tatsächlich mit dazu.

00:13:07: Victoria, ja ich bin von solchen Informationen und von solchen Gedanken immer erstmal sehr berührt.

00:13:14: Das muss ich wirklich sagen und danke auch dafür dass du das mit uns teilst.

00:13:17: aber Victoria gehen wir mal so ein bisschen auf die professionelle Sicht.

00:13:23: gibt es bestimmte Risikofaktoren die gerade zur Entstehung einer Suizidalität beitragen können?

00:13:31: Ja, die gibt's auf jeden Fall.

00:13:33: Und es gibt dazu natürlich auch viel Forschungsarbeit und viele Statistiken.

00:13:37: Es ist so, dass vorhanden seiner psychischen Erkrankungen an sich schon ein Risikofaktor darstellt.

00:13:45: Außerdem ist das männliche Geschlecht ein Risikofaktor.

00:13:48: Ich hab das

00:13:48: in meiner Anmoderation gesagt – fast drei Viertel der Suizide sind Männersuizide?

00:13:55: Ganz genau!

00:13:57: Ja, das streckt sich über Jahre so.

00:14:00: Das ist relativ konstant dass es immer Männer in der Überzahl sind und auch ältere Menschen also ein höheres Alter ist auch ein Risikofaktor.

00:14:11: dann natürlich die soziale Isolation, also habe ich Menschen mit denen ich eben sprechen kann, die ich zu Hilfe bitten kann.

00:14:17: Finanzielle Sorgen können auch ein echter Risikofaktor sein.

00:14:21: Also wenn man sich mit jemandem unterhält ist es wichtig einfach ein breites Bild zu bekommen und so den ganzen Menschen kennenzulernen mit seinen Möglichkeiten, familiäre Unterstützung, freunde professionelle Unterstützung, Wohnungslosigkeit kann auch ein Risikoffaktor werden.

00:14:38: All diese Sachen spielen zusammen.

00:14:40: Und der Risikofaktor, der für mich immer so maßgeblich ist und in der klinischen Arbeit ganz wichtig war es gab's schon mal einen Suizidversuch in der Vergangenheit.

00:14:49: Das ist einfach ein Indikator.

00:14:52: wenn mir jemand gesagt hat ja ich habe schon einmal einen Suozitversuch gemacht.

00:14:56: Der hat leider nicht geklappt.

00:14:58: Diesmal schaffe ichs aber dann wird man natürlich noch besonders hellhöriger und versucht sofort zu intervenieren.

00:15:05: Ja

00:15:06: und wie kann man das gut machen?

00:15:09: Ist es wichtig, dass man sozusagen noch Verbindlichkeit zwischen Arzt und Patient herstellen kann?

00:15:15: Gibt es diese Möglichkeit quasi so eine Art Lebensvertrag zu machen oder sowas.

00:15:20: Das ist relativ häufig.

00:15:22: wird das so gemacht.

00:15:23: da gibt's verschiedene Ansichten wie gut das funktioniert.

00:15:27: also es gibt diese Antisuitverträge zum Beispiel.

00:15:30: inzwischen ist mehr dazu übergegangen so Krisenpässe zu machen eine Vorbereitung zu machen, wie kann ich in der nächsten Krise reagieren?

00:15:40: Wo man vielleicht auch eigene Erfahrungen schon einbringt.

00:15:43: Und da ist natürlich wichtig das zusammen mit einem Arzt zu besprechen oder mit dem Therapeuten.

00:15:48: und was die Arzt-Patientenbeziehung angeht würde ich sagen es ist die Beziehung halt das Wichtigste.

00:15:54: alles andere kommt danach weil des Fachwissen haben wir natürlich alle aber solange die Beziehen und das Vertrauen zwischen Arzt und Patient nicht passt ist es halt schwierig.

00:16:04: Wir merken hier im Podcast auch immer wieder in diesen Gesprächen, wie schwierig es doch für die Menschen ist wirklich Hilfe anzunehmen.

00:16:11: Der Krisendienst Psychiatrie soll ja gerade ein niederschwelliges Angebot eigentlich darstellen.

00:16:17: Was sagst du Menschen, die sagen?

00:16:18: Ist mein Problem überhaupt wichtig genug?

00:16:20: Denen sage ich ... Die Krisendienste Bayern haben einen Motto und das heißt die Krise bestimmt der Anrufende selbst.

00:16:27: Das heißt jeder der das Gefühl hat, ich brauche jemanden zum Reden.

00:16:31: Soll sich melden und es ist immer ein offenes Ohr da?

00:16:35: Weil das ist der Präventionsgedanke.

00:16:37: also nur wenn ich rechtzeitig frühzeitig über meine Probleme, über meine eventuelle Krise

00:16:43: spreche

00:16:44: kann ich eben eine Verschlimmerung und Verschlechterung erreichen und nicht erreichen zu verhindern natürlich Entschuldigung.

00:16:55: Also kann ich eine Verhinderung einer Krise oder einer Verschlechterung der Symptomatik erreichen.

00:17:00: Und die Krisendienste Bayern stehen da jedem zur Verfügung und es ist möglich rund um die Uhr anzurufen in über hundertzwanzig Sprachen, neuerdings auch in Gebärdensprache.

00:17:11: ganz wichtig weil wir niederschwelliges Angebot sein wollen und das ist auch eine Anonyme, Anonymität möglich.

00:17:19: Kurzer Hinweis auch für die Zuhörenden vielleicht.

00:17:22: Du hast gerade eben nochmal einen anderen Terminus-Technikus hier eingebracht, nämlich Krisendienst Bayern sozusagen nicht, die Beschränkungen das war ja glaube ich wichtig.

00:17:31: stellen wir es hier an dieser Stelle auch noch mal gleich heraus.

00:17:33: vielen Dank.

00:17:35: und dennoch Carolina ist es ja so dass es zum Überleben einer solchen Krise eines braucht nämlich Hilfe.

00:17:43: was hat es für dich vielleicht auch schwer gemacht Hilfe anzunehmen oder überall offen zu sein?

00:17:50: und wie merkst du das auch in deiner Arbeit gerade beim Bündnis?

00:17:54: Wie wird damit umgegangen tatsächlich mit so einer existenziellen Krise.

00:17:58: Ich möchte erst noch mal was anderes sagen und das etwas problematisieren.

00:18:02: Dass es eben auch für die Betroffenen, also am eigenen Beispiel erzähle ich's gleich gar nicht immer so möglich ist alles zu erzählen.

00:18:10: Also ... Ich hab bestimmt nie meine Psychiade erzählt, dass mein Vater mal einen Suizidversuch gemacht hat.

00:18:16: Ich habe ihm auch nicht erzählt, auf einer Urlaubsreise, wo ich mit meinem Freund unterwegs war.

00:18:21: Mit meinen verpartneten Freunden, sondern mit jemand anderem schon sehr nahe an so etwas war, wo es dann wirklich gefährlich war.

00:18:28: weil einfach die Zeit, die Gelegenheit oder eben auch nicht die Betroffenen selber dran denken.

00:18:35: Dass das vielleicht wichtig ist, weil wir es selber nicht wahrnehmen.

00:18:39: Das ist keine Absicht oder irgendwas Bösartiges.

00:18:42: aber es ist gar nicht so einfach wirklich alle Dinge zu bedenken.

00:18:46: und natürlich heißt es immer reden reden erzählen teilen nicht alleine bleiben.

00:18:52: Aber es klappt manchmal auch nicht so und wir sind natürlich auch in einem System, wo es trotzdem Beschränkungen gibt.

00:18:59: Wo wir an Zeiten gebunden sind, an Erreichbarkeiten gut mit dem Krisendienst jetzt nicht aber... bei Psychiaterterminen ist es einfach nicht so einfach.

00:19:08: Das wollte ich nur noch ergänzen,

00:19:10: weil das ja

00:19:11: gerade

00:19:12: auch eine Diskussion in der Öffentlichkeit ist.

00:19:14: wie gehe ich denn überhaupt mit diesen Ressourcen um?

00:19:17: Wie finden heutzutage, wo finde ich einen Psychologen, der Zeit für mich hat und auch dort ein wirklich niederschwelliger Zugang möglich ist?

00:19:26: und wir stellen fest dieser Zugang ist nicht niederschwillig Und ich glaube tatsächlich, dass vielleicht kurze Rückfrage noch an dich, Victoria.

00:19:34: Aus der professionellen Sicht ist auch schwierig erst diese ganze Komplexität in so kurzer Zeit für euch als Profis zu erfassen oder?

00:19:43: Absolut.

00:19:44: Wir haben unsere Standards, die wir auch erfragen um ganz wichtige Themen nicht zu vergessen.

00:19:51: und so ist es sowohl in der Praxis beim Psychiater, der seinen inneren Leitfaden einer Neseerhebung hat als auch bei den Krisendiensten Bayern wo wir uns anhand eines Schemas abarbeiten um keine Frage zu vergessen.

00:20:06: Und dem Anrufenden eben die Chance zu geben wirklich über alles zu sprechen.

00:20:12: Ja, ich möchte auch sagen, dass es das etwas niedrige Vermittlende geben muss wie eben ein Beratungstelefon.

00:20:22: Wo man nicht weiß, dass ich ein Profi am Telefon habe.

00:20:25: für viele Betroffene ist es leichter mit jemanden zu sprechen der vielleicht selber diese Lebenswelt der Krise und der Erkrankung teilt.

00:20:33: Und das ist auch wichtig also, dass es die verschiedensten Möglichkeiten gibt.

00:20:37: Dass sich wo anrufen kann anonym bleiben kann, dass sich jemandem mehr näher ist oder im Hilfesystem trotzdem persönlich sprechen kann.

00:20:47: Wir brauchen verschiedene Arten und Weisen aber natürlich super, dass es den Krisendienst Bayern jetzt bayernweit gibt und das der null vierundzwanzig da ist.

00:20:57: Aber ich weiß von vielen Betroffenen die das oft nutzen, dass auch schwer ist manchmal, dass sie sich nicht mehr trauen, dass Sie denken oh das hilft mir nicht was auch immer.

00:21:07: also es gibt Vorbehalte zu nutzen oder auch zu erleben dass sie sich auch da nicht ernst genommen fühlen.

00:21:15: Ich problematisiere das einfach von Betroffenen und Nutzersicht her.

00:21:19: Wobei es glaube ich immer zwei Wege gibt, denn das eine ist auch das persönliche Empfinden.

00:21:22: fühle ich mich jetzt gerade ernst genommen so.

00:21:24: Natürlich!

00:21:26: So wie ich die Kolleginnen und Kollegen dort kennengelernt habe.

00:21:29: einige waren entweder schon hier zu Gast oder wir haben auf anderer Ebene miteinander zu tun gehabt Erlebe ich dort immer eine große Empathie erst mal und ein großes Hilfs.

00:21:41: Ja, Hilfs verlangen.

00:21:42: wir möchte den Leuten auch in dieser kurzen Zeit näherkommen.

00:21:45: auf der anderen Seite verstehe ich ganz genau was du meinst Carolina.

00:21:48: wenn man eine Krise eben nicht nur vielleicht auch akademisch kennt sondern persönlich erlebt hat dann ist es natürlich noch einmal eine besondere Komponente Und natürlich wie vieles was man im Leben gemacht hat eine Lebenserfahrung.

00:22:05: Noch mal ganz kurz zurück.

00:22:06: Du hast ja dann Hilfe angenommen, bist du deinem Psychiater gegangen?

00:22:12: Hast du das Wort Suizid verwendet im Gespräch mit ihm?

00:22:15: Ich glaube nicht dass ich es damals überhaupt gekannt habe.

00:22:18: des Wortes also das denke ich nicht.

00:22:21: und es war dann so dass sie's im Krankenhaus aufenthalt alles richtig erst noch rausgekommen ist.

00:22:27: Es hat sich dann nochmal rapide verschlechtert, obwohl dieser Gedanke dass ich dort Schutz finden kann und eben vor mir selbst geschützt bin natürlich der Hauptgrund war.

00:22:37: und ich wollte auf keinen Fall mein Leben jetzt zerstören wenn ein anderes neues Jungsleben da war, das war so über allem und diese Art der Vernünftigkeit hat mich ja auch quasi gerettet.

00:22:50: Dass ich auf dem Weg einfach den Abbruch gewagt habe und gesagt hab es geht nicht anders.

00:22:56: Auch zu meinem Psychiater war ich da ganz deutlich weil mir klar war Ich brauche jetzt diesen besonderen Raum.

00:23:01: also er hat funktioniert.

00:23:04: dann ist es schlechter geworden.

00:23:05: Es war schwierig.

00:23:07: Mein Mann hat mich jeden Tag besucht, um damit der Kontakt zu unserer Tochter nicht abbricht.

00:23:12: Ist ja in dem jungen Alter ganz wichtig, dass ich nicht als Mutter einfach ausfalle, damit ich überhaupt die Chance habe diese Mutterrolle anzunehmen und zu lernen, auszubauen.

00:23:23: aber es war dann zum Beispiel besonders gut Also dass ich vom Chefarzt einmal an der Tür einfach begrüßt wurde beim ersten Mal und er gesagt hat, ja ich habe schon gehört wie schwer es ihnen geht.

00:23:35: Aber das kriegen wir wieder hin so eine grundlegende Zuversicht.

00:23:40: Und auch dieses Programm, also ich habe dann Tageserproben gemacht.

00:23:45: Nicht am Anfang, am Anfang konnte ich die Klinik nicht verlassen und ich konnte nicht in den Garten innerhalb der Kliniken gehen.

00:23:51: Das war eben diese Zunahme, dass sich dann diesen absoluten Schutz sozusagen innerlich gespürt hat.

00:23:57: aber später musste ich dann rausgehen bei gemeinsamen Unternehmungen.

00:24:04: das ist mir wahnsinnig schwer gefallen.

00:24:07: Noch etwas später, also ich war acht Wochen in der Klinik damit auch gleich so lange war das nicht.

00:24:12: Bin ich selbstständig mit dem MVV nach Hause gefahren?

00:24:16: Das war eine schwere ... Orientierung, also mit dem MVV.

00:24:21: Es gibt viele Betroffene die das dann nicht gut können mit öffentlichen Fahren und diese Tageserproben hat mir aber geholfen, dann eben meinem Kind zu begegnen mit der Familienpflegerin zusammen einkaufen zu gehen und die Dinge, die am Nachmittag möglich waren und nötig waren zu erleben.

00:24:38: und es hat schon unmittelbar gegriffen.

00:24:41: Aber es hat gedauert und natürlich war's trotzdem eine sehr schwere Situation.

00:24:46: Wir hören zwei Dinge zum einen Klinik als Schutzraum.

00:24:49: Das haben wir hier schon häufiger besprochen tatsächlich, aber dann auch den zweiten Schritt, Victoria nämlich die Klinikum sozusagen auch dafür verantwortlich zu machen das Leben wieder ein bisschen zu lernen und die Außenorientierung auch wieder für die Patientinnen und Patienten zu ermöglichen.

00:25:10: ist dass ein normales Vorgehen was welche gerade von Carolina auch hören?

00:25:14: ja Auf jeden Fall.

00:25:16: Also so kenne ich es auch aus meiner Zeit in der Klinik, sowohl in Regensburg als auch in Augsburg.

00:25:21: Man versucht natürlich... also das Leben findet ja draußen statt und das Leben soll ja nach der Kline weitergehen.

00:25:27: deswegen sind die Belastungserprobungen am Wochenende oder dann auch ein Übergang in dieses tagklinische Setting so die Regel.

00:25:36: Und würdet ihr auch heute, findet es noch genauso auf die gleiche Atomweise statt?

00:25:40: Du hast gesagt das waren die neunzigern glaube ich.

00:25:42: Der

00:25:42: Glühaufenthalt war dann zwei tausend eins.

00:25:45: Ja Eine Sache brauchen wir, nämlich um Hilfe anzunehmen.

00:25:50: Gibt es eine große Grundvoraussetzung?

00:25:51: Ich muss wissen wer kann mir denn überhaupt helfen?

00:25:54: Welche Hilfesysteme haben wir und wer kann und wer darf sich an wen wenden?

00:26:00: Victoria was würdest du sagen auch wenn dich jemand beim Krisendienst anruft?

00:26:05: welche Möglichkeiten gibt es denn außerhalb des Krisendienstes vielleicht noch?

00:26:09: Also der Krisendienst versteht sich auch so als Lotsenfunktion.

00:26:13: Deswegen, das Wichtigste ist erstmal den ersten Schritt zu machen, das Telefon in die Hand zu nehmen und zum Beispiel eben beim Krisendiensten anzurufen, die Problematik zu schildern.

00:26:21: Und dann haben wir eben die Möglichkeit ins System- und ins ambulante Setting auch zu vermitteln.

00:26:27: Wir arbeiten eng zusammen mit den sozialpsychiatrischen Diensten

00:26:30: z.B.,

00:26:31: teilweise auch mit dem psychiatrischen Institutsambulanzen der Kliniken überhaupt aber natürlich Erstmal das Ambulante im Vordergrund, dann verschiedene Beratungsstellen.

00:26:46: Das ist ganz, ganz wichtig.

00:26:48: Der Anrufende eben dann auch das Gefühl hat okay das war jetzt nicht der Anrufe nur sondern es geht dann auch weiter.

00:26:53: also mir wird was an die Hand gegeben.

00:26:55: und in dem Fall dass man am Telefon jetzt nicht ausreichenden Überblick sich verschaffen kann oder gerade eben das Thema Suizidalität das ist ja manchmal schwierig im Telefon weil er fehlt einem die Mimik die G-Stick das Gefühl was mehr als Profi hat kann man das eben in einem Telefonat nicht hundertprozentig herstellen.

00:27:14: und dann haben wir die Möglichkeit ein mobiles Team zu schicken, dass in ganz Bayern so maximal eine Stunde vor Ort ist.

00:27:24: Und da sind auch Fachkräfte, die zur Zeit kommen – und da ist es einfach so, sie haben Zeit!

00:27:28: Das haben wir ja schon gehört.

00:27:30: Zeit ist ja ein ganz wichtiger Faktor genau.

00:27:34: Und die Einsätze können auch drei, vier Stunden dauern.

00:27:36: Also da ist es dann wirklich so das mit dem Betroffenen wenn er eben einverstanden ist also Freiwilligkeit natürlich Voraussetzung oder mit den Angehörigen gesprochen wird.

00:27:47: Thema Angehöhrige greifen wir gleich auf.

00:27:50: Also an den Krisendienst dürfen sich ja auch nicht nur Betroffene sondern auch deren Angehöhre gewähnten.

00:27:57: Gibt es denn Anzeichen, die Angehörige ernst nehmen sollten im Umgang mit ihrem Familie?

00:28:04: Mit einem Freund, wo man sagt Mensch da ist irgendwie Gefahr und Verzug.

00:28:11: Ich brauche jetzt Selbsthilfe um das irgendwie abzupuffern.

00:28:14: Gibtes Signale-Anzeichen?

00:28:17: Ja

00:28:17: ich kann jedem Angehäurigen nur raten der sich Sorgen macht oder ein schlechtes Gefühl hat Erstens das mit der betroffenen Person anzusprechen, zu sagen du ich mache mir Sorgen um dich.

00:28:27: Kann es sein dass du Gedanken hast dir was anzutun?

00:28:31: Gibt es irgendwas?

00:28:32: und dann im weiteren vielleicht auch hast du da konkrete Pläne?

00:28:36: Manchmal weiß man ja auch jemand hat Zuhause zum Beispiel große Mengen Medikamente liegen oder ist in den Baumarkt gefahren um sich einen Strick zu kaufen.

00:28:46: also darauf ein bisschen achten und Angehörige müssen auch nur bis zu einem gewissen Grad das tragen können.

00:28:54: Es ist ganz wichtig, dass sie sich auch Hilfe holen und zum Beispiel auch beim Krisendienst aber eben bei anderen Stellen für Angehörige ist es gut möglich.

00:29:03: Die haben häufig Angst was falsch zu machen.

00:29:04: kann man etwas falsch machen in dieser Situation?

00:29:07: oder ist das Fälscheste was man machen kann ebenst nicht anzusprechen?

00:29:10: Genau das fälschste oder der einzige Fehler die man machen Kann ist darüber hinweg zu gehen.

00:29:16: Die Erfahrung zeigt sowohl als Profi, als auch als Angehöriger Freund.

00:29:22: Meistens ist es eher eine Entlastung für denjenigen weil er's nicht als erstes aussprechen muss, weil er direkt gefragt wird und ernst genommen wird.

00:29:30: und wichtig ist dann natürlich nicht zu sagen ah ja dann ruf mal da und da an sondern wir machen das jetzt zusammen.

00:29:38: Ich bin auch für dich da, ich halte es aus und man kann zum Beispiel auch beim Krisendienst aber bestimmt auch bei anderen Stellen zum Sammeln ein Probeanruf machen sagen kommen wir rufen jetzt mal zusammen anschauen ob da eine nette Person dran ist und dann hast du im Notfall wenn die Krise am Sonntagabend oder nachts um drei kommt weißt du dahin kann ich mich wenden und dann ist die Hemmschwelle nicht mehr ganz so groß wie man vorher mal ausprobiert hat

00:30:03: hätte dich dein Mann angesprochen.

00:30:06: Ich glaube, ich war selber dazu in der Lage.

00:30:09: Aber ich finde es wichtig eben dass das auch Selbsthilfeorganisationen oder Organisationen wo viele Betroffene sind also betroffenen Kontakte ums anzusprechen vielleicht nicht für das Akute aber dass man nicht in der Situation wenn man gefragt wird oder wenn man selber so Hinweise gibt versteckte vielleicht auch oder auch deutliche Hinweise das dann nicht jemand rückschreckt und sich nicht traut darauf einzugehen, dass es wichtig und dann eben nicht alleine zu bleiben in der Situation.

00:30:39: Das müsste ich auch wenn ich eine Gruppe mache meine Schreibwerkstatt und jemand ist so, dann würde ich mit der Person zusammenbleiben.

00:30:46: Ich würde sie zum Bus begleiten, wenn zur Digitalität im Raum ist muss ich sicher gehen also das auch das Busfahren klappt Da ist es ganz wichtig, also nicht nur im kompletten Profibereich sondern auch in all den niederschwelligen Angeboten wenn da was wäre.

00:31:05: Ich habe zum Beispiel auch der Ausbildung gemacht um das gut ansprechen zu können und dieses normale Ansprechen, was für Angehörige schon oft schwer ist aber was wirklich ganz, ganz wichtig Denn die Betroffenen kommen von selber auf die Gedanken und Ideen.

00:31:21: Man kann das nicht erzeugen, indem man es dann anspricht ... Weil das ist ja auch oft so eine Angst.

00:31:27: Ja was mache ich falsch?

00:31:29: Wenn ich das anspreche kommt jemand auf die Idee... Das ist ein Mythos!

00:31:33: Genau, ich sag's gleich.

00:31:34: Komm mal gleich

00:31:34: zu.

00:31:35: Aber

00:31:36: was ist Suizidalität?

00:31:37: Ist es eher eine spontane Handlung oder ist es eher wirklich etwas Geplantes?

00:31:42: Du hast es gerade eben Victoria schonmal so kurz erwähnt.

00:31:44: Man sammelt Tabletten oder man geht in den Baumarkt.

00:31:48: gibt es unterschiedliche Formen, wie ist das tatsächlich?

00:31:52: Es gibt auf jeden Fall unterschiedliche Vormen und es gibt auch diese kurz entschlossenen spontanen impulsiven Suizidversuche oder Suizide.

00:32:01: Aber in der Regel durchläuft ... Der betroffen hat mehrere Phasen.

00:32:05: Und es ist nicht so, dass er sagt, ah jetzt mach ich das, sondern es kommt nur zu einer großen Verzweiflung!

00:32:11: Ich kann so nicht mehr weiterleben.

00:32:16: Jetzt im Moment aussieht nicht weitermachen.

00:32:18: Und häufig ist es so, dass das gar nicht der Wunsch nach dem Tod ist sondern nur dieses im Moment schreckliche Leben so nicht weiterleben zu müssen.

00:32:27: und Es kommt dann im Verlauf.

00:32:30: also die meisten sind dann eben sehr ambivalent.

00:32:32: was möchte ich?

00:32:34: Ich möchte zwar weiter leben aber so geht's nicht.

00:32:36: Also suche sehne ich mich nach dem tod eigentlich oder ich sehe nämlich danach Dass es einfach aufhört dass das schlimme dass sichs nicht mehr ertragen muss.

00:32:45: Und diese Ambivalenz, wenn die sozusagen abgeschlossen ist und der Entschluss gefasst ist

00:32:55: jetzt

00:32:56: ich werde mir das Leben nehmen.

00:32:59: Dann wirkt es nach außen häufig so dass die Betroffenen erleichtert sind, dass sie ruhiger sind.

00:33:07: Das kann auch ein Warnfaktor sein aber für uns Helfer ist es einfach wichtig dieser Weg dahin sehr lang sein und es ist wichtig, dass wir irgendwo dazwischen ein Fuß in die Tür kriegen.

00:33:20: Weil viele Seen im Tunnelblick von dem wir vorher auch gehört haben nicht das es auch Notausgänge gibt in diesem Tunnel.

00:33:29: Und es ist egal, wer das ist.

00:33:31: Ob das jetzt ein Profi oder ein Angehörig, ein Freund, ein Bekannter?

00:33:35: Wenn's dann darum geht gibt's noch was, was dich hält im Leben.

00:33:39: Was macht dir noch Sinn?

00:33:40: Gibt's Menschen die dich vielleicht daran hindern also die sozusagen etwas Positives für dich sind um diesen verengten Blick wieder zu weiten auf vielleicht ein kleines Luftzügelchen nebendran einen kleinen Weg da eben die Tür offen zu halten, dass eben dann nicht das Fenster zugeht und an dieser Entschluss ist.

00:34:01: Und die Menschen damit abschließen und dann in die Tat gehen.

00:34:05: Das ist gefährlich der Moment aber ich glaube, es ist wichtig, das zu spüren wenn jemand in dieser Ambivalenz schon ziemlich vorm Entschluß ist.

00:34:16: Ansonsten ist es manchmal auch so, dass es nicht vermeidbar ist.

00:34:21: Wirst du Victoria sicher auch so kennen?

00:34:24: Und das ist das Wichtige, den Menschen zu sagen, die es erleben mussten in der Familie und so weiter.

00:34:31: Ja?

00:34:31: Ich glaube, das Gefühl von Auswirklosigkeit ist ja auch ein sehr individuelles.

00:34:35: Also das ist nichts was zu bewerten ansteht, glaube ich.

00:34:38: oder wie würdet ihr das beschreiben?

00:34:40: also zu sagen ach das ist doch alles gar nicht so schlimm ist glaub ich bei allen seelischen Krisen der schlimmste Satz, den man sich so vorstellen kann.

00:34:48: Ganz genau!

00:34:49: Das ist wirklich ... nach Möglichkeit vermeiden sollte und auch so diese pauschalen Äußerungen, wie Gönne dir mal was geh mal raus.

00:34:59: Geht doch ins Freibad wenn die Sonne kommt geht es ja schon besser.

00:35:02: das erzeugt eher oft des Gegenteils in Druck weil dann geht's vielen besser.

00:35:08: im Schwimmbad lachen alle und einem selber geht es aber nicht besser, sondern man sitzt da vielleicht mit seiner inneren Unruhe, mit seiner Getriebenheit.

00:35:18: Mit den finanziellen Sorgen oder der Familie die den Kontakt abgebaut hat war es auch immer.

00:35:22: Und sieht andere und einem selbst geht es ein, aber eben nicht besser.

00:35:27: Ja!

00:35:28: Es ist ganz wichtig da... Also wenn die Möglichkeiten nicht sind, danach zu fragen warum tiefer einzudringen und das ist eben gut.

00:35:37: Wenn die Person bei der es eben so hin und her geht... zu äußern, warum der Sinn fehlt.

00:35:46: Also wirklich da vorzustoßen in den Kern der Krise dann ist es leichter in harter Arbeit und das ist lange harte Arbeit für Betroffene und auch für die Menschen diese Begleiten aus Profis oder Freunde oder Angehörige.

00:35:59: denen sind wiederzufinden mehr Möglichkeiten zu sehen dass eben diese Enge wieder so ganz allmählich weichen kann durch positive Erlebnisse.

00:36:10: Ich versuche jetzt diesen Weg, weil die Sicherheit ... Die ist da in den ersten Zeiten sicher nicht gegeben.

00:36:17: Also, das lehrt mich ... Wie es mir gegangen ist im Krankenhaus, wo es dann ja einfach noch mal viel schlimmer wurde?

00:36:23: Natürlich hat ... Kann ich mich auch noch erinnern.

00:36:25: ein Pfleger, der hat gesagt, naja, bei ihnen ist's ja nicht so schlimm, sie sind ja voll ansprechbar und so weiter.

00:36:31: aber er hat nicht gemerkt oder erst am Anfang nicht wie Herz auch bei mir war.

00:36:37: Und das kam dann als ich mich überhaupt nicht mehr rausgetraut hab.

00:36:40: Da ist die Krise dann erst richtig rausge- Und es hat Arbeit bedurft und seelische Arbeit.

00:36:47: Ich glaube, jeder der in so einer Krise einmal wartet wird wissen ist die härteste Arbeit, die er bis dahin in seinem Leben vermutlich gemacht hat egal was er sonst beruflich tut.

00:36:56: Wir haben in unserem Vorgespräch ein bisschen gemerkt.

00:36:58: Es gibt einige Mythen um das Thema Suizidalität ranken voller Ernsthaftigkeit Und ich hab einfach mal ein paar rausgegriffen, die wir so aufgemacht haben und würde euch vielleicht einfach kurz bitten dazu aus eurer Sicht was zu sagen.

00:37:15: Das brauchen wir gar nicht, glaube ich, auszuweiten.

00:37:17: aber es gibt so einen paar Punkte wo wir gemerkt haben stimmt eigentlich nicht, gell?

00:37:21: Ich glaub der erste über den wir geredet haben war damals wenn jemand über seinen Suiziddruck spricht dann ist das ein Schrei nach Hilfe oder gar ein Schrein nach Aufmerksamkeit.

00:37:32: wie ist die Situation wirklich?

00:37:35: Also dieses Schrei nach Aufmerksamkeit, das möchte ich eben so nicht stehen lassen.

00:37:40: Weil das auf keinen Fall ... Das muss man neu machen, Entschuldigung?

00:37:46: Ja, kein Problem!

00:37:49: Ich muss mich kurz sammeln, genau.

00:37:51: Vielleicht kann ich

00:37:52: übernehmen.

00:37:54: Ich würde es in Ordnung finden, wenn jemand nach Aufmerksamkeit schreit.

00:37:58: Was ist an der Definition schon schwierig?

00:38:00: Warum darf ich nicht Aufmerksamkeit haben, wenn ich sie brauche und dieses Abtun womöglich bei jungen Frauen mit Borderlein?

00:38:08: ja die brauchen ja nur Aufmerksamkeit.

00:38:10: Die haben das nicht bekommen und jetzt rufen Sie danach.

00:38:13: Das ist schon die falsche Vorgehensweise weil ich damit schon jemand abstempel

00:38:18: Ja, ich glaube das fasst es zusammen oder?

00:38:20: Als ob wir einfach mal so stehen.

00:38:24: Die Frage hast du das Gefühl die das nebenleben zu wollen?

00:38:28: darf ich die stellen oder soll ich sie bleiben lassen?

00:38:31: Unbedingt ansprechen ja wie man ... Man soll natürlich eine Wortwahl wählen mit der man selber gut in der man sich auch wiederfindet also auch der Ansprechende und mit dem er das Gefühl hat jemandem gut abholen zu können aber unbedingt ansprechen.

00:38:48: Also es ist nichts, was ein eher triggert und eher jemanden womöglich noch motiviert oder so?

00:38:54: Auf

00:38:54: gar keinen Fall.

00:38:55: Also jemand der Suizid-Gedanken hat den nicht weil jemand ihn von außen auf die Idee bringen würde.

00:39:02: Männer gehen... Du wolltest noch etwas sagen?

00:39:04: Entschuldigung!

00:39:05: Es ist ja auch wichtig danach zu fragen Was für ein Leben brauchst du denn?

00:39:10: oder was macht's dir denn jetzt gerade so unmöglich?

00:39:13: Das ist die zentrale Frage eigentlich, die unterscheidet zwischen demjenigen der auch ein bisschen aus Vernunft gründen nach langer schwerer Krankheit sagt ich gehe diesen Weg als jemand, der eigentlich nicht sterben möchte sondern leben aber so nicht leben kann und dann rauszukriegen.

00:39:31: Die Eckpfeiler, was ist es genau?

00:39:33: und da vielleicht eben irgendwo andere zu Hilfe reinholen, kann ich selber, kann nicht weiter verweisen.

00:39:40: Also das ist das Zentrale und deswegen ist es so wichtig zu sagen hängst du noch irgendwie am Leben gibt's irgendeine Art von Leben was du dir vorstellen kannst und sagst doch erst mal auch wenn sie ja komplett unmöglich erscheint klar also wenn dann Geld und diese scheinbar äußeren Dinge kommen, aber es ist ja die Unmöglichkeit mit diesen schweren Äußeren Dingen umzugehen.

00:40:03: Und da kennen viele vielleicht auch nicht noch andere Möglichkeiten.

00:40:07: in dem Moment ist alles dicht und das gilt's, wenn's irgendwie geht ab zu melden aufzubrechen eröffnen.

00:40:14: wie auch immer

00:40:15: Männer begehen häufiger ein Suizid Frauen Unternehmen häufiger den Versuch eines Suizides.

00:40:21: stimmt das?

00:40:22: Ja, das stimmt so.

00:40:23: Also es ist wirklich so wie die Zahlen, die du anfangs genannt hattest eben um die siebzig Prozent von Männern begangen werden und es gibt auch da verschiedene Theorien dazu.

00:40:34: aber eine davon ist dass Männer eben die härteren Mittel wählen sozusagen die sichere Methode die sicherer zum Tod führt und Frauen machen mehr Suizidversuche und wählen damit die in Anführungszeichen milderen Mittel, also zum Beispiel Tablettenintoxikationen wo die Wahrscheinlichkeit das zu überleben einfach höher sein kann.

00:40:57: Heißt aber auf keinen Fall dass die Suizidversuche der Frauen weniger ernst gemeint sind.

00:41:04: Ärzte und Therapeuten haben einen rein professionellen Umgang mit dem Suizid eines Patienten.

00:41:10: Auch ein Thema, was wir in unserem Vorgespräch hatten.

00:41:12: Ja ... Das ist eine Hypothese die so nicht hoffentlich

00:41:17: nicht.

00:41:18: Hoffentlich nicht und definitiv nicht!

00:41:21: Und es ist so dass ich eben im meiner klinischen Laufbahn also bevor ich zum Krisendienst kam habe ich viele Jahre verschiedenen BKHs gearbeitet und in der Zeit war es leider so, dass sich auch Patienten die ich teilweise lang betreut habe.

00:41:41: Auch noch während des Klinikaufenthalts oder nach dem Klinikaufenthalt das wäre wieder ein Risikofaktor also die vierzehn Tage nach einem Klinicauffenteil sind extrem fragil.

00:41:53: da brauchen Menschen große Unterstützung.

00:41:55: also diese Phase dieses Fenster von zwei Wochen da passieren relativ häufige Suizide.

00:42:02: Und eben in meiner Laufbahn war es so, dass das leider auch zu diesen Fällen kam.

00:42:08: Wenn ich erzähle, bekomme ich wieder Gänsehaut und kann mich an jeden dieser Fälle noch sehr gut erinnern.

00:42:15: Auch wenn ich jetzt fälle sage, sehe ich sofort den Menschen sitzen, hört zum Teil des Gesprächs, was wir zuletzt geführt haben und weiß wie wir das dann im Team in der Klinik besprochen haben, wie die Pflegekräfte teils verzweifelt waren, Und Gott sei Dank haben wir dann ein relativ professionelles Vorgehen, weil es lässt einen eben nicht kalt.

00:42:37: Man liegt genauso schlaflos im Bett nachts und fragt sich hätte es vielleicht Möglichkeiten gegeben die man anders hätte machen können?

00:42:45: Da ist dieses professionelle Netz eben ganz wichtig.

00:42:47: und das fängt damit an dass wir uns gegenseitig austauschen, dann auf Station oder im Krisendienst mit den Mitarbeitern uns erst mal austauschen, dann haben wir die Möglichkeit natürlich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und uns da auszutauschen.

00:43:06: Am regelmäßig Supervisionen und in den Kliniken finden üblicherweise auch Suizidkonferenzen statt.

00:43:12: also da werden die Fälle gesammelt einem Fachpublikum diskutiert und man guckt, was können Auslöser gewesen sein?

00:43:21: Was waren Worte die ein hätten aufhorchen lassen können.

00:43:27: Da wird sehr gut geguckt, was kann man lernen aus den Fällen?

00:43:32: Weil wie wir vorhin schon besprochen haben es sind nicht alle Fälle vermeidbar.

00:43:37: Es gibt manchmal diese schicksalshaften Begebenheiten auch und man kann tatsächlich auch nicht jeden retten.

00:43:46: auch nicht jeder möchte vielleicht gerettet werden.

00:43:51: Aber dieser professionelle und offene Umgang, ohne nach einem Schuldigen zu suchen ist in meinen Augen da ganz wichtig.

00:43:58: Und bei den Krisendiensten helfen wir uns doch gegenseitig also die Leitstellen untereinander.

00:44:02: Also das heißt auch zu akzeptieren wenn jemand die Entscheidung getroffen hat aus dem Leben zu gehen?

00:44:09: Das muss man auch lernen...

00:44:11: Ich denke schon ja!

00:44:14: Vor allem Es ist, glaube ich, ganz schwer.

00:44:18: Als ich in der Tagesklinik war beim ersten Schub in den Neunzigern gab es eine Mitpatientin, die mit mir im Bus so hingefahren ist – ich sage extra kein Namen!

00:44:27: Und sie hat einen Versuch gehabt und dann wurde sie sehr viel operiert, hatte viele Platten im Körper und sie hat dann nochmal einen Erfolg reichen.

00:44:36: Versuch gemacht und da war es auch für die Kirchen gemeint.

00:44:39: Ich habe es in der Kirche erfahren, als das abgekündigt worden ist.

00:44:43: Ich hab sofort geweint also es ist das ganze Umfeld gerade bei so besonderen schweren oder eine Exinkollegin hat sich dann im Alter nicht mehr arbeiten konnte nach dem Kurs.

00:44:56: Also es gibt diese ganz schweren Fälle und wir sind alle ratlos und es ist gut wenn reden können, wenn es Möglichkeiten gibt in Therapie zu gehen, Gespräche zu führen, Beratung zu machen.

00:45:08: Also die Profis müssen's und wir müssen es genauso, wenn wir damit konfrontiert sind und es ist gut, wenn das aufgefangen

00:45:15: wird.".

00:45:16: Gibt es denn Angebote für das Umfeld?

00:45:19: Wir sprechen sehr viel übers Umfeld immer wieder weil natürlich auch das Um Feld betroffen ist sozusagen durch die suizidale Krise eines nahen Menschen, Freunde, Familie.

00:45:32: Wie kann man dieses Umfeld mit aufgefangen werden?

00:45:36: Welche Möglichkeiten habt ihr da?

00:45:39: Man sagt, dass bei einem Suizid ungefähr sechs bis acht nahe angehörige Freunde mit betroffen sind.

00:45:47: Und die sind häufig dann auch schwer belastet und es gibt spezielle Angebote für Angehörige zum Beispiel Agus.

00:46:00: Alle Angehörige dürfen aber auch natürlich beim Krisendienst anrufen und sich beraten lassen.

00:46:05: Und ich habe gerade heute nochmal auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention nachgeschaut, da gibt es wirklich eine super Auflistung wo man seine Region eingeben kann also zum Beispiel Bayern und dann kommen alle Angebote für Angehöhrige wo man sich eben Hilfe holen kann.

00:46:24: Weil die Angehörigen sind schwer belastet und der Suizid eines nahen Angehöhrigen erhöht natürlich auch das eigene Suizitrisiko oder zumindest Suizigedanken-Risiko, und das muss man auch sehr ernst

00:46:35: nehmen.".

00:46:36: Was hat dein Umfeld richtig gemacht?

00:46:38: Und wie ist dein Umfelder mit umgegangen, Carolina?

00:46:43: Gut und weniger gut!

00:46:45: Also das wohl eindrücklichste war, dass nach der Geburt ein Freund Opera geschickt hat, also so die Direkthilfe.

00:46:56: Also im positiven Sinne und das rauszustellen?

00:46:57: Das war sehr positiv!

00:46:58: Also es war die Direkthilfe sofort dass ein anderer Mensch weil wir innerhalb von einer Woche keine Familienpflege bekommen haben.

00:47:06: Die werden sie auch heute nicht innerhalb von kurzer Zeit kriegen aber wenn ich ihn nicht alleine zurecht komme ist es schwierig.

00:47:14: als zwei Akademiker haben wir's nicht gut geschafft.

00:47:17: Da hat auch eine Dame aus der Kirchengemeinde sehr mitgeholfen.

00:47:21: Also diese ganz kleinen praktischen Dinge, wie gerade das Gespräch auf die Idee zu kommen – ich muss mit jemandem über die Freundin reden, die das und das im Freundeskreis erlebt hat.

00:47:34: Wenn ich als Angehörige oder Partner das erlebe, dann sehe ich schon die Notwendigkeit drüber zu sprechen.

00:47:40: aber wie viel habe ich auch bekannte?

00:47:43: da vielleicht auch nicht ins Profifeld gehen, um wirklich Gespräche zu führen.

00:47:48: Was haben Leute noch richtig gemacht?

00:47:50: Mein Mann hat mich zeitlebens unterstützt.

00:47:52: Das war auch richtig, aber ich bin zum Beispiel auch relativ bald ins Familienzentrum gegangen also die Möglichkeiten zu nutzen weil mir war klar mit dem kleinen Kind brauche ich andere Mamas damit ich was unternehme.

00:48:05: Also das ist nicht das direkte Krankheitsfeld wo ich die Profis dann gesucht habe sondern die guten Strukturen unserer Gemeinden gut fähig sind.

00:48:16: und meine Kinderärztin war top.

00:48:19: Und hat gesagt, wenn sie da Hilfe brauchen, denn ich konnte schon nach der Geburt zu den ersten Vorsorgeuntersuchungen unserer Tochter nicht alleine hingehen?

00:48:27: Also wenn da Aufmerksamkeit ist und dann immer wieder gesagt wird, wenn was ist – ja selbstverständlich dürfen Sie Ihren Mann mitbringen!

00:48:35: Ihre Familienpflege, was auch immer….

00:48:36: also diese Aufmerksamkeit Das würde ich mir auch von der gesamten Gesellschaft wünschen.

00:48:43: Weil Menschen, die dann ausweichen und die Straßenseite wechseln, damit sie nicht sprechen müssen ... Also die üblichen Dinge, die nicht nur bei einer südzitalen Krise sind, da ist es vielleicht noch verschärft, wenn das Menschen erfahren, dass Sie halt sehr schnell das aburteilen.

00:48:58: Dass es sehr schnell wirklich, ja, das ist krankhaft so kann man doch nicht sein!

00:49:03: Das ist völlig unnormal.

00:49:04: also das Schwere als Betroffene anzusprechen.

00:49:10: Also ich will mal so sagen, einen Teil dieses Podcastes ist tatsächlich dazu beizutragen diese Stigmatisierung irgendwie oder dieser Stigmatisierung entgegenzuwirken.

00:49:19: und ich will sagen wir sind in H H, nach wie vor größte Psychiatrie in Bayern und glaube die drittgrößte Deutschlands irgendwie sowas.

00:49:28: Dort gehört es dazu quasi wir sind hier und leben gemeinsam eben mit der Klinik und vor allen Dingen auch mit den Patientinnen und Patienten dieser Kliniken Und auch da ist immer noch der Auftrag dazu beizutragen dass das irgendwie zum Leben gehören doch ein Stück weit.

00:49:45: Für mich ist bei der Vorbereitung auf diesem Podcast eine Frage eigentlich besonders präsent die wichtigste Frage dieser heutigen Folge.

00:49:55: Wir haben nämlich den Tag der Veröffentlichung gleichzeitig mit dem Welttag der Suizidprävention, jetzt ist für mich aber die Frage eigentlich aufgekommen was hilft denn wirklich präventiv um Suiziden entgegenzuwirken?

00:50:09: Was können wir auch als Gesellschaft tun?

00:50:13: wie kann man wirklich den Suizide verhindern?

00:50:15: habt ihr eine Idee?

00:50:17: Ich würde mir wünschen, dass wir mit schweren Gefühlen anders umgehen.

00:50:21: Dass wir mehr über Wut reden.

00:50:23: Gut das machen wir ... Das geht noch.

00:50:25: Das ist

00:50:25: die Hass- und Ottgefälscher.

00:50:28: Aber über Angst, über Trauer wird zu wenig geredet.

00:50:32: Über Selbstzweifel, über Angewiesensein, über Behinderung, über Handicaps, über Krisen überhaupt!

00:50:40: Also es heißt immer scheitern gehört zum Leben.

00:50:42: aber wenn jemand wirklich scheitert dann wird hinten rumgedrautscht.

00:50:47: Fähigkeit über diese schweren, aber komplett menschlichen Zustände zu reden, die braucht es doch.

00:50:54: Dass wir Vorbilder bekommen wie Menschen damit umgehen und da ist auch die Literatur, die Kultur ganz wichtig.

00:51:02: das ist jetzt so.

00:51:03: meine Antwort erstmal.

00:51:05: Da stimm ich gerne zu und würde nur ergänzen, dass es auch einfach ganz viel Aufklärung braucht.

00:51:11: Viele Menschen wissen gar nicht wo können sie sich hinwenden oder was sind das eigentlich für Gedanken die ich habe?

00:51:17: Nicht jeder kann das ja sofort einordnen!

00:51:19: Und da ist Aufklärungen, Aufklärungsaufklärung für mich etwas ganz Wichtiges.

00:51:23: dann gibt's ja verschiedene Maßnahmen von denen man weiß die haben wirklich was geholfen zum Beispiel die Zäune an bestimmten Brücken die nachweislich dazu geführt haben, dass in bestimmten Regionen es dann weniger Suizide gab.

00:51:38: Dann hat der Krisendienst Bayern momentan eine Aktion wo an den Bahngleisen ein Schild angebracht wurde sprich mit uns und dann die Nummer des Krisendienstes und da soll's eben nicht um die Vermittlung der verspäteten Bahnen gehen sondern wirklich das man in so einem Moment auch den Kriesendienst gleich anrufen kann.

00:52:02: Sachen, die kann man sofort umsetzen und die haben einen nachweislichen Effekt.

00:52:07: Das ist ja auch so dass sich die Medien nicht mehr Details berichten damit sie keine Nachahmung also den berühmten Werteeffekt erzeugen.

00:52:15: das ist auch unheimlich wichtig

00:52:18: Genau.

00:52:18: Da würde ich mir noch wünschen, weil du den Wertereffekt genannt hast, dass dieser Papagenoeffekt der Gegenspieler sozusagen dazu ist, dass man noch mehr so wie wir es jetzt ja auch machen darüber spricht, wie hat jemand erfolgreich eine Krise überwunden?

00:52:31: Wie hat jemand aus nativen Suizidalität wieder Lebensmut schöpfen können und das diese Geschichten an die Öffentlichkeit gehen und ich finde, das wird schon deutlich besser aber es ist absolut noch Luft nach oben.

00:52:43: Und Carolina ist ja quasi da.

00:52:45: unser Beispiel heute im positiven Sinne Was würdest du denn deinem Ich von damals heute sagen?

00:52:51: Was würdst du deinem ich von damals mit an die Hand geben wollen.

00:52:57: Es ist keiner gestorben, zum Glück.

00:52:59: es war gut um die Hilfe anzunehmen.

00:53:02: Ich würde mir sagen dass sich stark war was ich sehr schwer kann.

00:53:06: also der Selbstverhältnis zu mehr ist immer noch schwierig.

00:53:10: das kennen die Menschen die ganz nah an mir dran sind.

00:53:15: es ist gut Gewesenes Kühl hat dazu, es lässt sich nicht vermeiden dass Krisen sind.

00:53:22: Aber die müssen nicht komplett eskalieren und auch wenn eine psychische Krankheit schwer ist Kann es sich wieder ändern?

00:53:31: Also, mir hat am meisten geholfen und ich glaube das ist schon in der Jugend da gewesen.

00:53:36: Dass ich dachte, es ändert sich.

00:53:38: Mein Mann hat auch nicht gesagt du wirst wieder gesund.

00:53:40: Das hätte ich ihm sowieso nie geglaubt.

00:53:42: er hat gesagt Es bleibt nicht gleich.

00:53:44: also dieses veränderte Moment dieses die Zeit geht weiter Und irgendwas wird dabei anders.

00:53:51: also und Ich habe auch glaube ich große Durchhaltekraft Also dieses Durchsätzen.

00:53:57: Das ist auch so eine individuelle Eigenschaft, tatsächlich?

00:54:00: Ja genau!

00:54:00: Es gibt auch Charaktereigenschaften die sind positiv.

00:54:03: wenn jemand perfektionistisch ist es nicht positiv bin ich auch.

00:54:07: also es ist einfach vieles ambivalent aber die meisten Menschen kennen doch in sich Anteile die nicht zueinander passen die ambivalend sind und das heißt noch lange nicht dass das krankhaft ist.

00:54:19: Das wäre eine gute Art von Normalität zu sagen das gehört zum Leben dazu Ist normal.

00:54:25: Heißt

00:54:26: das dann auch die psychische Krankheit als Bestandteil des eigenen Is, ein Stück weit zu akzeptieren vielleicht?

00:54:35: Wie würdest du das sehen, Victoria?

00:54:38: Das würde ich sagen ist Voraussetzung eigentlich.

00:54:43: Kann ich jetzt nur aus Profisicht sprechen aber dass man das als Teil von sich ... Anerkennend.

00:54:49: Ja, die Akzeptanz lässt mich ja auch hinschauen wo es schwer ist also wo... Also sonst kann ich keine Wahnsignale feststellen weil ich nicht wirklich hinschaue wenn ich nicht hinschau wo sich was verengt wieder oder wo ich vielleicht rücksichtvoller mit mir umgehen kann und dann auch die Sofortmaßnahmen ergreife die mir helfen wo ich weiß das tut mir gut wo ich meine Werte anschaue wo ich mein Zeitmanagement anschau die ganzen Punkte Da habe ich mich dann vielleicht auch besser kennengelernt in so einer langen Geschichte, um zu sagen dass und das führt mich wieder dahin lasse ich es lieber bleiben.

00:55:26: Also dass wir mehr lernen mit der Vernunft die Gefühle... um zu umfangen, aber dann auch mal ordentlich sagen jetzt brauche ich was Unvernünftiges.

00:55:37: Das ist aber gut, dass sich auch diese Entgrenzung lerne weil wenn ich immer nur schaue die Krankheit da sind die Grenzen und dann bin ich schon so angstbehaftet.

00:55:47: Aber es kann ja auch das größte Glück in der Überschaltung der Grenze liegen ohne dass es zur Krankheit führt.

00:55:53: eine kurze Antwort von jedem Wenn jetzt jemand diese Folge hört und gerade wirklich das Gefühl hat nicht weiterzuwissen Was soll diese Person ganz konkret tun?

00:56:02: Was würdet ihr ja in diesem Moment empfehlen?

00:56:07: Bitte such dir jemanden, mit dem du reden kannst.

00:56:10: Gerne auch beim Krisendienst Bayern anrufen!

00:56:13: Reden, reden, reden – nicht alleine bleiben immer wieder drüber reden.

00:56:17: Verschiedene Leute reden

00:56:21: Ja, ihr beiden.

00:56:21: Ich glaube wir merken alle hier in diesem Bühnenhaus ist ziemlich viel Emotion heute drin gewesen.

00:56:28: ich glaube es ist ein sehr komplexes Thema.

00:56:31: Ich danke euch beiden für die Offenheit und dieses informative Gespräch zu diesem wirklich sehr schwierigen Thema.

00:56:38: Es ist ein großer Themenkomplex und wir werden ihn heute sicherlich nicht in seiner ganzen Komplexität bearbeitet haben, aber wir sind einen Schritt gegangen.

00:56:46: Eine Botschaft ist aus meiner Sicht sehr deutlich geworden und die haben wir hoffentlich transportiert.

00:56:51: Es gibt Hilfe, die neue Zuversicht schaffen kann – auf diesem Weg sollen wir auf jeden Fall weitermachen!

00:56:59: Psyche im Quadrat ist eine Gemeinschaftsproduktion der oberbayerischen Selbsthilfe Psychiatrieerfahrende, OSPE-IV.

00:57:06: Der Angehörigen in Oberbayern den Kliniken des Bezirks Oberbayeren und dem Bezirk Oberbayen.

00:57:13: Weitere Informationen und vor allem alle Nummern die man für Hilfsorganisation braucht gibt es wieder bei uns in den Shownotes.

00:57:20: Feedback und Anregung auch gerne an uns senden.

00:57:24: Die Beteiligten sind über die verschiedenen Website zu erreichen.

00:57:27: Es gibt unterschiedliche Hilfesysteme, darüber haben wir schon gesprochen.

00:57:32: Das Bündnis gegen Depression ist da der Krisendienst ist da.

00:57:36: es gibt ganz viele andere Organisationen.

00:57:38: wenden sie sich dorthin vor.

00:57:40: heute verabschieden wir uns bei Ihnen und wünschen Ihnen eine gute Zeit.

00:57:44: bleiben Sie oder wären Sie halt zuversichtlich?

00:57:47: herzliche Grüße ihr Matthias Riedl-Rüppel.

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