Mut zur Hilfe – Was Kinder- und Jugendpsychiatrie leisten kann

Shownotes

Wann braucht ein Kind professionelle Hilfe? Was passiert eigentlich in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie? Und warum ist der Schritt, Unterstützung anzunehmen, oft der mutigste, den Familien gehen können?
In dieser Folge spricht Moderator Matthias Riedl Rüppel mit Priv.-Doz. Dr. Katharina Bühren, Ärztliche Direktorin des kbo Heckscher-Klinikums.
Gemeinsam werfen sie einen Blick hinter die Türen der Kinder- und Jugendpsychiatrie und sprechen über psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen, Warnsignale, Behandlungsangebote sowie die Rolle von Eltern, Schule und Gesellschaft.
Die Folge zeigt, wie moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie arbeitet, mit Vorurteilen aufräumt und Mut macht, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen.

In dieser Folge geht es unter anderem um:
• Welche psychischen Erkrankungen Kinder und Jugendliche betreffen können
• Woran Eltern erkennen, dass ihr Kind Unterstützung braucht
• Erste Anlaufstellen und Hilfsangebote für Familien
• Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit
• Leistungsdruck, Schule und Social Media als Belastungsfaktoren
• Ambulante, tagesklinische und stationäre Behandlungsmöglichkeiten
• Wie ein Klinikaufenthalt abläuft und was Familien erwartet
• Die wichtige Rolle der Eltern während der Behandlung
• Die Zusammenarbeit mit Schule, Jugendhilfe und weiteren Unterstützungsangeboten
• Warum frühe Hilfe langfristig Leben verändern kann

Zu Gast
Priv.-Doz. Dr. Katharina Bühren
Ärztliche Direktorin des kbo-Heckscher-Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie

Transkript anzeigen

00:00:11: Willkommen bei Psyche im Quadrat.

00:00:13: Wie schön, dass Sie auch bei unserer sechsten Folge wieder dabei sind!

00:00:16: Es ist eine besondere Folge da wir uns dieses Mal nicht mit der erwachsenen Perspektive beschäftigen sondern über psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen sprechen wollen.

00:00:26: Unser heutiger Ausgabe heißt Mut zur Hilfe, was Kinder und Jugendpsychiatrie leisten kann.

00:00:31: Mein Name ist Matthias Riedl-Rüppel und ich freue mich heute erneut das Gespräch mit einer ganz tollen Gästin sozusagen führen zu dürfen.

00:00:39: dazu sage ich gleich noch mehr.

00:00:42: wir zeichnen diesen Podcast wieder im kleinen Theater H auf dessen Intendant Ich Bin.

00:00:46: Unser Ziel ist es, über psychische Erkrankungen und verschiedene Hilfsmodelle zu informieren.

00:00:52: Deshalb kommen in diesem Podcast Menschen zu Wort die auf unterschiedliche Weise betroffen sind Betroffene, die ihren Alltag bewältigen Angehörige die Unterstützung und Orientierung geben Fachkräfte, die behandeln und begleiten sowie Vertreter des Bezirks Oberbayern der viele Unterstützungsangebote finanziert und organisiert.

00:01:10: Diese verschiedenen Perspektiven zusammengeführt eröffnen neue gemeinsame Wege des Verstehens und des Unterstützens.

00:01:17: Wir möchten Ihnen gemeinsam Orientierung zum Umgang mit verschiedenen Themen und Erfahrungen zur psychischen Gesundheit geben, begleiten Sie uns doch auch in Zukunft auf dieser Reise!

00:01:27: Wenn Kinder und Jugendliche signalisieren, dass es ihnen nicht gut geht – sei's durch Ängste, depressive Verstimmung oder andere Zeichen psychischer Belastungen – stehen Familien oft vor einer Frage die sich kaum aussprechen lässt.

00:01:40: Braucht mein Kind professionelle Hilfe?

00:01:42: Und was bedeutet das

00:01:43: eigentlich?".

00:01:44: In der heutigen Folge widmen wir uns einem Thema, das verunsichern kann und dass vielleicht genau deshalb so wichtig ist.

00:01:51: Der Kinder- und Jugendpsychiatrie.

00:01:53: Was genau passiert dort?

00:01:55: Wie sieht der Alltag in einer solchen Einrichtung aus und warum sich der Schritt Hilfe zu holen kein Zeichen von Schwäche sondern oft der mutigste Schritt den eine Familie gehen kann?

00:02:05: In Oberbayern gibt es ein Netz an Unterstützung von Ambulanten.

00:02:10: noch mal auch hier Klappe In Oberbayern gibt es ein Netz an Unterstützung von ambulanten Angeboten bis hin zu Kliniken wie dem KBO Heckscherklinikum.

00:02:20: Wir sprechen heute darüber, was moderne Kinder- und Jugendpsychiatrie wirklich ausmacht!

00:02:25: Deshalb freue ich mich über Privatdozentin Dr.

00:02:28: Katharina Bühren, die heute bei mir zu Gast ist.

00:02:31: Katharina Bühnen ist ärztliche Direktorin des KBO Heckscher-Klinikums das jährlich rund fünfzehntausend Kinder und Jugendliche an elf Standordnende Oberbayern ambulant in den Tagkliniken und auf den Stationen behandelt.

00:02:43: Liebe Frau Bühner, herzlich willkommen im kleinen Theater!

00:02:45: Sie waren ja auch schon in anderer Funktion hier nämlich als Gast Ja, und wir sitzen hier in diesem Bühnenkasten im Theater.

00:02:53: Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, dass wir heute miteinander sprechen genau zu diesem Thema.

00:02:56: Herzlich willkommen noch einmal!

00:02:58: Danke

00:02:58: für die Einladung.

00:03:00: Mit welchen Krankheitsbildern befasst sich denn das Heckscher Klinikum in erster Linie?

00:03:03: Und was für ein Versorgungsauftrag steht denn eigentlich dahinter?

00:03:07: Das Heckscherklinikum ist zuständig für alle Kinder- und Jugendlichen, die in Oberbayern wohnen oder sich gerade in Ober bayern befinden und in einer psychischen Krise sind.

00:03:18: Also es könnte auch sein, dass das ein Kind im Urlaub ist oder sowas in der

00:03:22: Art?

00:03:22: Genau richtig.

00:03:23: Und letztendlich behandeln wir Kinder und Jugendliche bis siebzehn Jahre.

00:03:29: ab dem achtzehnten Lebensjahr sind dann die Erwachsenpsychiatrien zuständig.

00:03:35: Wir haben natürlich Kinder in unterschiedlichen Altersgruppen Kleineren Kinder, da geht es häufig um Entwicklungsstörungen.

00:03:44: Zum Beispiel auch um die Frage liegt ein Autismus vor?

00:03:48: Es geht dann irgendwann um ADHS Die Aufmerksamkeitsstörung.

00:03:54: Da eine Abklärung zu machen Wir kommen die Kinder in der Schule klar.

00:03:57: Dann ist immer die Fragestellung nach vielleicht ersten Teileistungsstörungen, z.B.

00:04:02: leserechtschreibstörung die häufig auch gemeinsam mit anderen psychiatrischen Erkrankungen auftreten.

00:04:10: dann kommen so in der weiteren im Grundschulzeit kommen Ängste zwänge dann im weiteren im jungen Jugendbereich die Depressionen die Essstörung dazu.

00:04:20: Dann beschäftigen wir uns auf viel mit Suchterkrankung Die leider sehr zugenommen haben auch in der letzten Zeit.

00:04:27: erste Psychosen entwickeln sich im späteren Jugendalter.

00:04:32: Also das heißt, wir sind für die gesamte Bandbreite der psychiatrischen Erkrankungen zuständig.

00:04:39: Wenn man das so aufzählt, dann ist es ja auch ein bisschen erschreckend mit was sich Kindern heutzutage auch schon im kinder- und jugendlichen Alter rumschlagen müssen eigentlich.

00:04:50: Was können denn Eltern tun wenn sie sich sorgen um ihr Kind machen?

00:04:53: Wenn man merkt, dass Verhalten verändert sich.

00:04:56: Was ist der erste Schritt und wer sind die ersten Ansprechpartner vor allen Dingen für die Eltern?

00:05:01: Für mich ist es immer wichtig, zunächst mal in guten Kontakt mit dem Kind auch zu treten.

00:05:06: Also gut zu verstehen was sind die Gedanken?

00:05:10: Was sind die Lebenswelten des Kindes und einfach auch mit dem kind in einer ruhigen Situation ein offenes Gespräch zu suchen Auch wenn Eltern manchmal im Jugendalter das Gefühl haben vielleicht auf ihren Teenager nicht mehr so einen guten Kontakt zu haben oder man nicht mehr ganz genau weiß.

00:05:30: wie komme ich ran?

00:05:31: Die Patientinnen und Patienten berichten schon, dass Eltern ganz wichtige Bezugs- und Vertrauenspersonen sind.

00:05:39: Dass sie sich häufig auch gewünscht hätten, hätte sie jemand auf die Probleme angesprochen.

00:05:44: Das wäre für mich immer der allererste Schritt tatsächlich das Gespräch mit dem betroffenen Kind zu suchen.

00:05:53: Dann geht es sicherlich weiter über einen Kinderarzt, der vielleicht auch den Jugendlichen schon eine ganze Zeit kennt.

00:05:59: Wo man einfach damals seine Sorgen äußern kann, der sicherlich weitere Ansprechpartner nennen kann.

00:06:06: Es gibt in der Schule ja Ansprech-Partner die Schulpsychologen Die Schulsozialarbeit Wo häufig muss man sagen, auch die Kinder und Jugendlichen sich hinwenden.

00:06:17: Das heißt es geht teilweise dann auch den umgekehrten Weg in Richtung Eltern.

00:06:24: das wären für mich so die erst mal die aller niederschwelligsten Möglichkeiten, sich an jemandem zu wenden.

00:06:32: Der Bezirk Oberbayern hat ja auch ein Angebot den Krisendienst die telefonisch zu erreichen sind und dann auch verschiedene Beratungsangebote haben einfach für Eltern die sich Sorgen machen.

00:06:43: das wäre sicherlich auch eine gute Anlaufstelle.

00:06:46: ansonsten sind über die Stadt und auch übers Land verteilt auch Beratungstellen häufig heißen sie Erziehungsberatungsstellen die sicherlich niederschwellige Ansprechpartner sein

00:06:57: können.

00:06:57: Sie haben ja jetzt gerade eben schon mal einige Diagnosen auch im Kontext gebracht mit dem Lebensalter der Kinder.

00:07:05: Was hat sich denn in den vergangenen Jahren dann auch verändert bei diesen Diagnosen oder bei der Häufigkeit dieser Diagnose?

00:07:12: Wir haben ja in vielen Bereichen doch irgendwie diese Corona-Pandemie als schweren Einschnitt tatsächlich im gesellschaftlichen Leben.

00:07:20: Wie hat sich das dann bei Ihnen vielleicht eine Kinder und Jugendpsychiatrie ausgewirkt, zeigt sich da dieser Einschnitt auch an dieser Stelle?

00:07:28: Tatsächlich muss man sagen, dass wir schon das Gefühl haben, dass viel auch noch die Folgen der Corona-Pandemie bei den Kindern und Jugendlichen spüren.

00:07:36: Und aus unserer Sicht hat sich die Corona- Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt auf Probleme, die vorher bestanden haben.

00:07:45: Das Traurige ist, dass besonders betroffen tatsächlich diejenigen Kinder und Jugendliche waren, die vorhin vielleicht erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung hatten, auch kommen und die einfach insgesamt weniger Unterstützung vielleicht zu Hause haben konnten.

00:08:04: Auch Migrationshintergrund ist ein wichtiger Risikofaktor in diesem Zusammenhang, wir sehen klar mehr Angststörungen, mehr Depressionen und auch die Essstörung also zum Beispiel die Magersucht haben deutlich zugenommen.

00:08:20: jetzt mit etwas Verzögerung sehen wir auch mehr suchterkrankte Kinder- und Jugendliche und merken da ein verändertes Konsummuster, während früher vielleicht eher ... Also Cannabis war immer eine wichtige Noxe sozusagen.

00:08:38: Aber eher aufputschende Stimulanzien wie vielleicht Ecstasy oder ähnliches konsumiert wurden merken wir jetzt, das ist aber ein deutschlandweiter Trend.

00:08:47: Dass mehr beruhigende angstlösende Stoffe konsumiert werden wie Benzodiazepine Schlafmittel Berührungsmittel Aber tatsächlich auch Opiate wie tatsächlich Heroin und so weiter.

00:09:00: also da merken Wir eine ganz ganz deutliche Veränderung wo man immer nicht weiß ob es die Kausalität in der Corona Pandemie liegt.

00:09:09: aber zumindest gibt's einen zeitlichen Zusammenhang.

00:09:11: Und welche Rolle kann auch Schule spielen bei all diesen Erkrankungen?

00:09:15: Also wir haben sie ja gerade.

00:09:16: oder die Schulsozialarbeit, die Schulpsychologen.

00:09:20: Die haben wir ja sozusagen als unsere Ansprechpartner definiert.

00:09:22: aber gibt es auch eine Verstärkung von Angst im Bezug auf Schule?

00:09:28: oder ist der Schule auch der Stressor bei den Kindern und Jugendlichen?

00:09:32: Also wir sehen die Schule als ganz, ganz großen Belastungsfaktor.

00:09:36: Wenn wir uns unsere Anzahl der Notfallvorstellungen im Jahresverlauf angucken dann sehen wir dass es in den Ferien immer die Notfälle deutlich zurückgehen.

00:09:48: da haben wir viel weniger Patienten und Patientinnen zumindest die notfallmäßig In unseren Kliniken vorgestellt werden.

00:09:56: Und die Kinder und Jugendlichen beschreiben schon einen sehr, sehr großen schulischen Druck.

00:10:02: Tatsächlich ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von psychiatrischen Erkrankungen auch immer eine falsche Beschulung, also auf einer nicht richtigen Schulform.

00:10:12: Da mag auch vielleicht so ein gesellschaftlicher Druck möglichst zum Beispiel einen Gymnasium zu besuchen dann mit eine Rolle spielen und wir merken einfach das überforderte Kinder und Jugendliche, wie wir das aber wahrscheinlich auch wären.

00:10:27: Wenn unsere Arbeit uns überfordern werde würde der wir tagtäglich nachgehen müssen dass das eben ein wichtiger Stress und damit ein ganz wichtiger Belastungsfaktor

00:10:36: ist.

00:10:36: Akademiker Kinder müssen akademiker werden sowas in diese Richtung weil die weil das gesellschaftsbild so isst?

00:10:44: Das oder tatsächlich eben auch Kinder von nicht akademikan sollen es mal besser haben als ähm die Eltern.

00:10:51: vorher wird dann doch häufig Druck aufgebaut.

00:10:56: Jetzt muss ich die Eltern noch ein bisschen in Schutz nehmen.

00:10:57: Viele Kinder sagen, auch nie meine Eltern machen mir eigentlich den Druck nicht.

00:11:01: Ich mach ihn mir selber weil ich ja weiß sozusagen wie wichtig es ist eine gute Ausbildung zu haben und ich habe unbedingt dieses oder jenes Ziel wo wir dann teilweise auch mit denen Betroffenen erarbeiten das vielleicht die eingeschlagene Richtung dass man sich vielleicht etwas umorientieren sollte und dann vielleicht etwas entspannter und glücklicher durchs Leben gehen kann.

00:11:23: Gesellschaftlich

00:11:24: viel diskutiert auch so ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche oder eine Einschränkung des Zugangs, hat auch das ne Auswirkung auf die seelische Gesundheit?

00:11:36: Also es gibt ganz klar Studien, die zeigen dass zum Beispiel depressive Erkrankungen viel viel häufiger oder direkt mit dem Medienkonsum in Zusammenhang stehen.

00:11:47: Dann lassen wir den ganzen körperlichen Erkranken wie Adipositas und sowas mal vorne weg.

00:11:53: Und ganz klar, was uns viel Sorge macht.

00:11:56: Wir haben das sehr beobachtet, dass Kinder vor der Corona-Pandemie in Sportvereinen zum Beispiel waren die dann sozusagen viel auf soziale Medien, die Jungs vielleicht auch eher noch mal in Richtung Gaming und Computerspielen gegangen sind, dass viele tatsächlich diese Vereinstätigkeit gar nicht mehr aufgenommen haben.

00:12:14: Das macht uns große Sorge weil gerade für Kinder und Jugendliche da ist ja eine wichtige Entwicklungsaufgabe den Platz im sozialen Umfeld zu finden, sich mit Gleichaltrigen auseinanderzusetzen und da viele Fähigkeiten einfach zu entwickeln unabhängig von den Eltern sozusagen sich im Leben auch behaupten zu können.

00:12:35: Und da merken wir schon dass das einen sehr großen Einfluss hat und machen uns viel Sorge haben.

00:12:41: jetzt auch in unserer Klinik bieten wir vermehrt Medienkompetenz über alle Störungen hinweg an Weil wir einfach denken, dass eine Förderung der Medienkompetenz total wichtig ist dafür um psychisch gesund zu bleiben.

00:12:59: Und insofern Sie fragen es eine Beschränkung vielleicht sinnvoll?

00:13:03: aus unserer Sicht auf jeden Fall.

00:13:05: andere Länder machen's ja vor und wir merken einfach das is ja ne rasant sich entwickelnde Welt.

00:13:10: da müssen wir ehrlich sagen wie Erwachsenen kommen da ja nicht ansatzweise mit und verstehen ja kaum in welchen digitalen Welten sich unsere Kinder können sie da also dann auch schlecht unterstützen.

00:13:22: Das heißt, das wäre wichtig dass das eingegrenzt wird und die Kinder da Stück für Stück rangeführt werden könnten weil dass Sie irgendwann mit der digitalen Welt sicher auch auseinandersetzen müssen und zurechtkommen müssen.

00:13:36: das ist ja klar.

00:13:37: Jetzt könnte man ja den Vorwurf machen, das klingt jetzt alle sehr akademisch und ärztlich richtig.

00:13:41: Aber sie sind nicht nur Ärztin, sondern auch Mutter.

00:13:45: Darf man vielleicht an dieser Stelle sagen?

00:13:47: Da müssen Sie hier auch zu Hause ein Händling damit finden oder?

00:13:50: Und da merke ich immer wieder, dass die Ratschläge, die man so professionell gibt gar nicht immer so leicht umzusetzen sind.

00:13:59: Also meine Töchter sind jetzt neun und elf.

00:14:02: auch wir sind schon dabei ihnen einen vernünftigen Umgang mitzugeben.

00:14:07: Ich merk vor allem das es schwierig ist wenn man mal angefangen hat aufzuhören.

00:14:12: Das heißt das ist was wo wir gerade mit Eigenverantwortung aber auch ein bisschen verstärkerplänen versuchen denen das nach Und das ist harte Arbeit.

00:14:21: Das ist mir sehr bewusst und es geht auch nicht immer konfliktfrei vonstatten.

00:14:27: Es gibt bei Ihnen dann zu diesem Thema zu Hause Konflikte, und es ist nicht nur der medizinische Blick auf so ein Thema sondern auch das was man selbst erlebt.

00:14:37: Auf jeden Fall!

00:14:38: Dann natürlich mehr Verständnis für die Eltern hat der eigenen Patientinnen und Patienten.

00:14:44: Mit welchen Fragen kommen denn eigentlich die Eltern zu Ihnen und welche Sorgen haben Sie?

00:14:48: Denn es ist ja schon auch ein Schritt, sein Kind sich unter den Armen zu klemmen in eine Klinik zu gehen.

00:14:52: Und zu sagen ich brauche Hilfe oder mein Kind braucht Hilfe oder wir beide brauchen Hilfe.

00:14:59: Was sind so die Elternteam dann bei Ihnen?

00:15:02: Also ich würde sagen eine der wesentlichen Fragen der Eltern ist die Schuldfrage die ganz oft Sorge haben oder Nachfragen, habe ich was falsch gemacht?

00:15:11: Habe ich etwas

00:15:12: übersehen?".

00:15:14: Weil man natürlich auch im Nachhinein betrachtet.

00:15:17: Man die Vergangenheit ja mit ganz anderen Augen und denkt dann an der und der Stelle hätte ich doch eingreifen müssen.

00:15:23: Das ist für uns immer was ganz Wichtiges wo wir auf jeden Fall die Eltern entlasten möchten und das auch gut können weil psychiatrische Erkrankungen sind immer multifaktoriell.

00:15:36: nur den einen Grund, warum jemand psychisch erkrankt.

00:15:39: Das geht von der Genetik bis zur Umwelt, bis zu vielleicht irgendwelchen traumatischen Lebenserfahrungen Und da ist es uns immer ganz wichtig, schon die Eltern anzuleiten.

00:15:53: An welcher Stelle sie sozusagen ihr Kind unterstützen können?

00:15:57: So ein bisschen im Sinne von Eltern als wichtigste Co-Therapeuten, die uns sehr unterstützen können bei unserer therapeutisch medizinischen Arbeit.

00:16:09: Und auf der anderen Seite natürlich schon auch die Arbeit mit dem Kind.

00:16:14: und dann nochmal zu überlegen, was gibt es vielleicht für Dinge im Familiensystem?

00:16:19: Die für das Kind stressig sind.

00:16:22: Wo man vielleicht noch ein paar Anpassungen vornehmen

00:16:26: kann.

00:16:27: Wir reden ja in unseren Gesprächen hier ganz häufig auch über das Thema Stigmata, die natürlich auch häufig Patientinnen und Patienten erfahren.

00:16:36: Wie ist es denn in der Kinder- und Jugendpsychiatrie?

00:16:39: Wie geht man mit Stigmatat dort um?

00:16:41: Gibt es welche betreffend ihr die Kinder?

00:16:44: Die Eltern ist das Scham behaftet, das Thema vielleicht auch.

00:16:47: Leider sowohl als auch... bei beiden Parteien sage ich jetzt mal schon häufig sehr scham behaftet.

00:16:55: Deshalb merken wir auch, dass gerade unsere Klinik dann häufig sozusagen die allerletzte Anlaufstelle ist wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht.

00:17:04: ganz häufig höre ich von den Eltern menschlich habe mir das ganz anders vorgestellt auch von den Kindern viel schlimmer.

00:17:12: sie sind ja hier alle total nett und auch die Mitpatienten mit denen kann ich mich ja total gut austauschen.

00:17:21: unsere Patientinnen und Patienten beschreiben häufig die Patientengruppe als ein ganz, ganz wichtigen Faktor.

00:17:28: tatsächlich zur Genesung.

00:17:30: Weil es für viele so ist dass sie dann in einer gleichaltrigen Gruppe also unsere Stationen sind auch immer so ein bisschen altersmäßig gestaffelt damit's einfach dann auch von den Interessen und so passt Und häufig sagen, Mensch das war jetzt das erste Mal seit langem dass ich mich akzeptiert gefühlt habe so wie ich bin und ich hab auch ein bisschen Freundschaften fürs Leben geschlossen.

00:17:55: würde mir sehr, sehr wünschen dass man mit weniger Vorurteilen sich an uns wendet wenn Probleme da sind weil ich glaube das wir eine gute Hilfe sein können.

00:18:06: und wenn man einmal sich getraut hat sozusagen die Schwelle zu überschreiten dann sind viele doch ganz positiv überrascht.

00:18:15: Ein bisschen Sorge ist dann immer die Rückkehr in den Alltag.

00:18:19: Was sage ich in der Schule?

00:18:21: Warum war ich denn so lange weg?

00:18:22: Da beschäftigen sich unsere Patienten sehr damit, aber ... Da finden wir eigentlich immer gute Wege, insbesondere auch zu sagen ... Du musst ja nicht lügen.

00:18:32: Das ist immer unklug, weil wenn das dann rauskommt, stehst du schlecht da.

00:18:37: Aber du kannst zum Beispiel sagen ich war sehr krank und ich war im Krankenhaus Und meine Ärztin hat gesagt Ich kann erst jetzt wieder stundenweise in die Schule gehen.

00:18:46: Daran ist nichts gelogen aber du brauchst sozusagen nicht deine Geschichte allen auszubreiten sondern vielleicht nur engsten Freundinnen und Freunden.

00:18:55: In unserer Folge über den ersten Klinikaufenthalt hat auch ein Patient beschrieben, wie sehr er sich in dem Moment als er dann endlich in der Klinika geschützt gefühlt hat.

00:19:05: Ist das auch etwas was Sie bei den jungen Patientinnen und Patienten so erleben?

00:19:09: Das erleben wir auf jeden Fall!

00:19:10: Wir haben auch Patienten die chronische Erkrankung haben und immer wieder in die Kliniken Ich sage mal frei will ich kommen, um Schutz zu suchen.

00:19:19: Weil sie einfach sagen, ich habe jetzt wieder eine Krise.

00:19:22: Ich glaube, ich brauche noch einmal drei, vier Tage sozusagen und dann kann auch meinen therapeutischen Weg ambulant zum Beispiel weiter ... weitergehen.

00:19:32: Und auch sonst ist es tatsächlich so, dass die Kinder und Jugendlichen häufig sagt Mensch ich hatte die Möglichkeit einfach mal zur Ruhe zu kommen und so ein bisschen zu ordnen.

00:19:43: Das hilft häufig den Jugendlichen aber auch den Familien schon sehr wenn sie einfach einige Anknüpfungspunkte haben wo so die Idee ist das man weitermachen

00:19:53: kann.

00:19:54: Aber nun gibt es ja nicht immer im ersten Moment gleich den klinischen Aufenthalt, sondern es gibt auch andere Behandlungsmodelle die es auch im Heckscherklinikum gibt.

00:20:02: Welche Arten?

00:20:03: Behandlung gibt es denn insgesamt, welche Settings gibt es?

00:20:06: Welche Möglichkeiten hat man vielleicht auch außerhalb einer stationären Aufnahme.

00:20:11: Also wenn wir jetzt mal von unserer Klinik weggehen.

00:20:13: dann gibt das natürlich die niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiatern, die ja auch Oberbayern weit verteilt sind und die auch Notfallsprechstunden haben so dass man sich auch an die sozusagen mit einer kurzen Latents für einen Termin auch wenden kann.

00:20:31: Dann gibt es die niedergelassenen Psychotherapeutinnen, auch die bieten Krisen- und Notfalltermine an.

00:20:38: Das heißt das wäre eine erste Anlaufstelle.

00:20:42: Man muss ehrlich sagen dass die Plätze sehr begehrt sind und teilweise dann für eine längere Behandlung oder Therapie unabhängig von dem kurzen Erstkontakt im Notfallrahmen sozusagen häufig die Wartezeiten leider sehr, sehr lang sind.

00:20:59: Auch wir als Klinik haben sogenannte psychiatrische Institutsambulanzen über Oberbayern verteilt.

00:21:06: hier kann man sich hinwenden.

00:21:08: Auch hier sind reguläre Wartezeiten lang, aber wir entscheiden immer nach Dringlichkeit.

00:21:14: Das heißt wenn jemand wirklich akut Hilfe braucht dann bekommen die Kinder und Jugendlichen in den Ambulanzen kurzfristige Termine oder haben eine Notfallaufnahme rund um die Uhr zur Verfügung steht.

00:21:30: ambulanten Angeboten, haben wir auch noch ein tagesklinisches Angebot.

00:21:34: Auch an vielen Standorten in Oberbayern verteilt.

00:21:38: das ist auch was, was wir gerade noch mehr ausbauen weil einfach die Familien das eine sehr gute Möglichkeit finden dass das Kind im familiären Rahmen weiter wohnen kann aber trotzdem von Montag bis Freitag tagsüber eine sehr intensive therapeutische Unterstützung bekommt Und alle Patientinnen und Patienten, die bei uns teilstationär oder stationär in Behandlung sind auch unsere Klinikschule besuchen.

00:22:07: Wir hatten vorhin gesagt, die Schule ist ein wichtiger Belastungsfaktor so dass wir auch da sehr gut mit Pädagogen zusammenarbeiten können, die aber gut auf psychiatrische Erkrankungen spezialisiert sind und besonders gut wissen was hilft und was brauchen die Patienten?

00:22:25: Jetzt kommt es zum Klinikaufenthalt.

00:22:28: Man stellt fest, dass es sinnvoll vielleicht auch den Schutz sozusagen herzustellen, den das Kind an dieser Stelle braucht.

00:22:36: Wie läuft dann so eine Klinikaufnahme ab?

00:22:39: Welche Prozesse gibt es?

00:22:41: wie kann man sozusagen auch davor ein bisschen die Angst nehmen vielleicht?

00:22:45: Also ich glaube wir müssen ja unterscheiden zwischen einer Notfallaufnahme aus einer akut gefährdenden Situation.

00:22:52: Wir nennen das Eigen- oder Fremdgefährdung.

00:22:55: In den allermeisten Fällen sind die Patienten, die bei uns notfallmäßig aufgenommen wurden, eigengefährdend.

00:23:01: Das heißt sie haben lebensmüde Gedanken, Suizidpläne oder vielleicht sogar schon versucht sich das Leben zu nehmen.

00:23:11: diese Patientinnen und Patienten werden bei uns jederzeit und immer aufgenommen.

00:23:16: also dass heißt es wird immer ein Platz für ihr Kind oder ihren Jugend jugendlichen da sein.

00:23:22: Diese Notaufnahmen realisieren wir erst mal alle in der Dysenhofner Straße an unserem Münchner Standort.

00:23:29: Da können sie gerne mit Anmeldung, aber im Zweifel auch ohne Anmeltungen vorbeikommen und wir gucken dann sprechen mit ihnen und ihrem Kind und gucken einfach was die beste Lösung ist.

00:23:40: wenn wir sagen eine Aufnahme ist jetzt dringend indiziert dann wird das Kind sofort auf die Station aufgenommen.

00:23:47: Wichtig ist, dass die Eltern für alles ihr Einverständnis geben.

00:23:51: Es passiert mit dem Kind nichts und bekommt keine Medikamente oder wird nicht aufgenommen ohne, dass sie als Sorgeberechtigte einverstanden

00:24:01: sind.

00:24:02: Die Eltern bleiben die Sorge

00:24:04: berechtigt?

00:24:05: Ja, das ist auch gar nicht unsere Intention im Gegenteil.

00:24:08: Wenn die Eltern merken, dass es ihrem Kind schlecht geht um Hilfe zu holen, dann kümmern Sie sich ja.

00:24:17: Also insofern und auch im Behandlungsverlauf sind die Eltern immer eingebunden.

00:24:22: Wir sprechen dann intensiv mit den Kindern, haben tatsächlich manchmal sagen Eltern Mensch jetzt haben sie zwanzig Minuten bei meinem Kind gesprochen und haben Dinge herausgefunden, die ich noch gar nicht wusste.

00:24:33: Da muss man einfach sagen das ist natürlich eine andere Beziehung, die man zu den Jugendlichen hat.

00:24:39: Man ist professioneller, man ist eher ne neutrale Person.

00:24:45: Sie können die Dinge erzählen bei den Eltern.

00:24:48: Manchmal ist es auch so, dass Kinder versuchen ihre Eltern zu schützen sagen sie haben eh schon so viele Sorgen oder so.

00:24:54: da möchte ich nicht auch noch Sorgen machen aber auch sonst vielleicht man die sind in der Pubertät einfach halt dann die Eltern nicht die ersten Ansprechpartner sind und das ist ganz normal und in Ordnung.

00:25:09: Aber das heißt, wir sprechen ausführlich mit den Kindern und versuchen dann auch gemeinsam ein gutes Prozedere zu finden und zu überlegen was ist eigentlich das Ziel?

00:25:19: Schauen dann dass wir die akute Situation entaktualisieren, dass es dem Kind ein bisschen besser geht und überlegen dann wie's weitergehen kann.

00:25:27: Jetzt gibt's nicht nur Notaufnahmen, sondern es gibt auch Patienten, die bei uns so genannt elektiv angemeldet werden.

00:25:33: Also auf einer Warteliste für eine stationäre Behandlung stehen.

00:25:37: Da kann man sich natürlich etwas besser drauf vorbereiten.

00:25:40: Da wird es dann so laufen dass wahrscheinlich der niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiatra oder wir in der Notaufnahme oder die Psychotherapeutin eine Indikation stellen für eine stationary Behandlungen Und da würde man einen Aufnahmetermin bekommen Auch ein Vorgespräch in den meisten Fällen, sodass man sich entweder die Tagesklinik oder die Station angucken kann.

00:26:01: Weiß worauf man sich einlässt vielleicht schon mal erste Infobroschüren bekommt damit man einfach gut weiß wie es vonstatten geht.

00:26:09: und dann sagen wir immer so ein bisschen Die Kinder sollen eine Tasche packen, wie wenn sie eine Woche in Urlaub fahren.

00:26:16: Heißt bei uns die Station sind eher so ein bisschen, sage ich immer, wie ne Jugendherberge, die es natürlich nicht ist.

00:26:24: Wir sind ein Krankenhaus aber es sind häufig Mehrbettzimmer.

00:26:28: Die Kinder schlafen stehen morgens auf ziehen sich auch an, gehen dann in die Schule wenn nicht gerade Ferien sind.

00:26:36: Nehmen an verschiedenen Aktivitäten teil.

00:26:38: es geht auch viel dann einfach um Alltagsfunktionen einzüben.

00:26:43: also die Kochen zusammen mit dem Pflege- und Erziehungsdienst die ja rund um die Uhr dann auch da sind haben verschiedene Fachtherapien.

00:26:51: also wir haben Musiktherapeuten ergo Therapeuten Bewegungstherapeuten Kunsttherapeutin die sozusagen die jeweiligen Einzel oder Gruppentherapien durchführen.

00:27:01: Es gibt natürlich Einzelgespräche bei den jeweiligen Fallführenden Psychologen oder Kinder- und Jugendpsychiatern.

00:27:07: Und dann geht es aber auch zum Beispiel darum, mal gemeinsam einen Ausflug zum See zu machen oder so.

00:27:14: Um einfach sozusagen auch in den Alltag wieder reinzukommen und angenehme Aktivitäten vielleicht wieder mehr zu fördern die das depressive Kind vielleicht lang nicht mehr sind.

00:27:23: Also

00:27:23: da sind auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie die Teams multiprofessionell aufgestellt mit ganz verschiedenen Personen aus den unterschiedlichsten Therapiebereichen auch?

00:27:32: Auf

00:27:32: jeden Fall also wie in der Erwachsenenpsychiätrie bei uns unterscheidet sich noch dass der Pflege- und Erziehungsdienst, wir haben Hälftigpflegekräfte.

00:27:40: Und Pädagogen sozusagen die für die Kinder und Jugendlichen da sind, haben ganz viele auch Psychologen und Psychotherapeuten, ärztliches Personal, Sozialdienst zur Unterstützung.

00:27:52: wenn man das natürlich auch immer ein wichtiger Punkt noch mal zu überlegen wie kann man vielleicht Familie dann nach Entlassung zum Beispiel auch unterstützen.

00:28:02: Da ist bei uns immer ein wichtiger Kooperationspartner, das Jugendamt.

00:28:07: Da haben viele Familien erst mal ganz viel Angst ... Dass

00:28:12: die im äußeren Einfluss auf die Erziehungsarbeit von dort befürchtet wird?

00:28:15: Ja

00:28:16: oder dass in der Presse ja so ist.

00:28:17: Das Jugendamt hat das Kind aus der Familie genommen und da kann ich ganz doll beruhigen als wir arbeiten wirklich in fast in ganz vielen Fällen mit dem Jugendamt zusammen.

00:28:29: Und das Jugendamt hat gar keinen Interesse daran, funktionsfähigen Familien das Kind wegzunehmen.

00:28:36: Es gibt niederschwellige Hilfen, dass es vielleicht auch tatsächlich noch mal eine Anlaufstelle wenn die Erziehungsberatungsstelle nicht ausgereicht hat, dass das Jugendamt ambulante Jugendhilfe-Maßnahmen hat wo zum Beispiel dann Familientherapeut in die Familie kommt und mit der gesamten Familie arbeitet oder was vielleicht einen höheren Unterstützungsbedarf hat, dann noch mal ein bisschen an die Hand nimmt und wieder in den Alltag mit reinführt.

00:29:05: Also das sind tatsächlich sehr hilfreiche Maßnahmen, die auch von den Eltern, den Sorgeberechtigten selber wieder überhaupt erst in die Wege geleitet werden müssen.

00:29:16: Da müssen die Sorgebrechtigten wir unterstützen aber die sind sozusagen diejenigen, die sich Hilfe erbitten.

00:29:25: Sie behalten jederzeit das Zepter in der Hand.

00:29:41: Wir sind zurückhaltender insgesamt als die Erwachsenenpsychiatrie.

00:29:45: sicher, wir schauen immer erst mal, geht es auch ohne Medikation?

00:29:50: Gleichsam gibt es bei uns viel wirksame Medikations so dass wir sie schon nutzen um Kinder und Jugendlichen zu unterstützen kommt natürlich auf die jeweilige Erkrankung an.

00:30:02: also eine Psychose muss ich mit einer medikation behandeln.

00:30:08: Ob auch schon so.

00:30:09: tagestrukturierende Maßnahmen und vielleicht ein bisschen mehr Bewegung, wieder in eine soziale Gruppe reinkommen.

00:30:17: Ob das auch schon eine Menge hilft?

00:30:19: Das heißt wir sind zurückhaltend und besprechen es auf jeden Fall immer mit den Eltern.

00:30:25: also auch dass wird diskutiert.

00:30:27: Wir werden unsere Gründe darlegen, das Medikament genau vorstellen mit den Eltern das besprechen, natürlich umso älter.

00:30:36: Das Kind jetzt auch ist ... haben die Jugendlichen ein großes Mitspracherecht.

00:30:44: Die müssen es letztendlich nehmen

00:30:45: und

00:30:45: die Eltern können ja nicht jeden Tag ... dass sonst irgendwie verabreichen.

00:30:50: Sie haben schon ein paar mal das Wort Schule erwähnt, im positiven Sinne mit Blick auf das Heckscherklinikum.

00:30:55: es findet auch weiterhin dort eine Beschulung statt.

00:30:58: aber Schule sieht da schon auch ein bisschen anders aus glaube ich.

00:31:00: oder in Klassengrößen und so altersübergreifend.

00:31:04: wie funktioniert Schule im Heckscherklinikum?

00:31:07: Also ganz viele Kinder sagen die Schule In der Klinik ist ja viel besser als meine eigene Schule.

00:31:14: Es ist tatsächlich so, dass wir eben an allen stationären und teilstationären Standorten eigene Lehrkräfte unserer Karl-August-Heckscher-Schule haben die auch sehr eng mit uns zusammenarbeiten.

00:31:27: Das heißt, sie wissen gut über die Probleme des Kindesbescheid, kennen gut die Zielsetzung der Behandlung und unterstützen uns viel.

00:31:34: Die Klassengröße ist auf so circa acht Schülerinnen und Schülern konzipiert häufig auch mit zumindest einer Lehrkraft und einer pädagogischen Kraft.

00:31:45: das heißt da ist die Personalausstattung gut geht, auch wenn die Eltern zustimmen mit der Heimatschule in Kontakt.

00:31:54: So dass tatsächlich die Patienten, auch gerade wenn längere Aufenthalte nötig sind den Stoff der Heimatschule bearbeiten können und einfach sehr individuell gefördert werden können.

00:32:06: Die Kinder haben je nach Station Aufenthaltsdauer je nach Krankheitsbild, so zwischen zwei und fünf Stunden Schule pro Tag.

00:32:20: Und können da schon auch meist den Stoff so mitlernen, also wenn die Schule nicht das eigentliche Problem ist.

00:32:29: Dass auch zwei drei Monate Klinikaufenthalt zum Beispiel bei Magersucht, wo doch längere Aufenthalte nötig sind, wo aber meist die Patientinnen sehr gute Schülerinnen sind können wir das gut überbrücken sodass sie dann auch wieder in die alte Klasse zurückgeführt werden können.

00:32:47: Die Lehrkräfte haben auch die Möglichkeit mit der Heimatschule dann gut den Übergang zu besprechen und wir finden häufig ganz, ganz gute und individuelle Lösungen mit allen Schulen.

00:32:59: wie wird dem Kind bestmöglich den Wiedereinstieg ermöglichen können?

00:33:05: Manchmal raten wir auch zum Schulwechsel.

00:33:07: das wird mit den Eltern eng besprochen aber das heißt dass tatsächlich die Lehrkräftel sich sehr ausführlich und intensiv, immer wieder in Rücksprache mit dem Behandlungsteam.

00:33:20: Um die Schüler-Patientinnen nennen Sie sie dann kümmern?

00:33:25: Gibt es einen Kontakt zwischen der Klinik und den jeweiligen Schulpsychologen oder dem Schulsozialdienst irgendwie in den Schulen der Kinder?

00:33:35: Tauschen Sie sich aus!

00:33:37: Dafür braucht's ja dann wahrscheinlich auch eine Einwilligung denke ich mir...

00:33:42: Ja Das ist richtig.

00:33:43: Bei allem, was wir tun brauchen eine Schweigepflichtsentbindung von den Eltern.

00:33:48: Wenn das indiziert wäre und wir zum Beispiel machen häufig ... Wenn der Schulpsychologe vielleicht auch die Aufnahme initiiert hat dann ist natürlich wünschenswert dass wir von denen erfahren können sozusagen was es vorher gewesen.

00:34:04: aber häufig können die beiden genannten Gruppen auch eine gute Hilfe bei der Wiedereingliederung bieten.

00:34:12: Die Schulen haben das leider sehr häufig, also für die Schulen ist es nichts Ungewöhnliches ein Patient von uns da auch Schüler ist so dass da mittlerweile sich schon gute Abläufe auch etabliert haben und dann je nach dem ob die Lehrkraft besser Kontakt aufnimmt oder vielleicht der Fall führende.

00:34:32: Also das machen wir dann je Sinnhaftigkeit oder je nach Fall, aber immer in Absprache und Einverständnis mit den Patienten.

00:34:43: Welche Hilfsangebote gibt es für die Eltern?

00:34:45: Die haben ihr Kind in der Klinik abgegeben.

00:34:49: An wen können sie sich wenden um Unterstützung zu erfahren?

00:34:53: Also erstmal versuchen wir natürlich auch die Eltern mitzunehmen und regelmäßig zu besprechen, sozusagen was die Diagnostik gerade her gibt wie es weitergeht.

00:35:04: Schon auch Sorgen zu nehmen machen also regelmäßige Elterngespräche.

00:35:08: Wir bieten auch auf den Stationen-Elterngruppen an um eben da ein bisschen aufzufangen was die Eltern beschäftigt gibt es auch die Rückmeldung, dass es sehr hilfreich ist zu sehen.

00:35:23: Dass man nicht alleine mit seinen Problemen ist sondern dass man gleich gesinnte und betroffene Eltern kennenlernen kann und sich austauschen kann so das häufig noch lange bei uns vor der Klinik stehen und miteinander reden oder so.

00:35:37: also ich glaube da ist der Austausch auch ganz wichtig.

00:35:41: ansonsten finde ich's nochmal wichtig das auch zum Beispiel von der apk werden Elterngruppen angeboten Angehörigen Gruppen speziell dann auch für Minderjährige.

00:35:51: Da habe ich auch das Gefühl, dass die Eltern häufig sehr positiv berichten und ihnen das ganz viel wert

00:35:59: ist.".

00:36:00: Was passiert wenn die Eltern das Problem sind?

00:36:02: Also wenn sie vielleicht gar nicht Teil der Lösung sein können sondern eigentlich ein wesentlicher Problemfaktor für das Kind darstellen?

00:36:10: Die wichtigste Herangehensweise, die wir immer haben, ist, dass wir sagen okay die Eltern geben ihr Bestes und meins erst mal gut mit dem Kind.

00:36:19: Das heißt, wir unterstellen erstmal ganz viel Positives.

00:36:24: Häufig ist es schon so dass dann auch vielleicht ein Konflikt mit den Eltern auch zu einer Aufnahme geführt hat.

00:36:31: Manchmal hilft das einfach mal kurz ein bisschen Abstand zu haben.

00:36:36: Das kann es manchmal geben, dass die Jugendlichen sagen, jetzt will ich gar nicht mehr mit denen sprechen oder die habe mich hierher gebracht.

00:36:41: das finde ich richtig blöd.

00:36:43: da gehen wir immer erst mal ein bisschen Ruhe rein und dann sind wir aber auf jeden Fall daran interessiert, dass die beiden Parteien sozusagen wieder in Kontakt kommen und das wir gut mit den Eltern gemeinsam schauen.

00:36:57: Wo sind die Möglichkeiten?

00:37:00: Steckt vielleicht eine eigene psychiatrische Erkrankung dahinter weshalb ich nicht ganz so leistungsfähig bin?

00:37:06: oder was ist es sonst?

00:37:08: Und dann ist das tatsächlich was, wo wir häufig auch anbieten.

00:37:13: Das Jugendamt mit ins Spiel zu bringen weil wir dann eben in einer sogenannten gemeinsamen Helferrunde da sind.

00:37:21: dann ist es Kind die Eltern Und das Jugendamt dann dabei und wo wir ganz gut und versuchen, ganz sachlich nochmal zu überlegen.

00:37:32: Wo liegen die Herausforderungen?

00:37:34: Wer kann was tun und wie ist dann gemeinsam die beste Lösung?

00:37:40: Dann kann es manchmal sein, dass wir sagen zu Hause ist es so schwierig.

00:37:45: Dass zumindest mal für eine Zeit auch eine sogenannte stationäre Unterbringung in der Jugendhilfe wichtig wäre.

00:37:52: Das heißt das Kind wohnt dann zum Beispiel in einer therapeutischen Wohngruppe die aber schon die Elternarbeit immer sehr groß geschrieben haben, weil eigentlich die Rückführung in die Familie ein ganz wichtiger Teil der Arbeit und das Ziel ist.

00:38:10: Das kann sein, weil zwischen Kind und Eltern nicht gut funktioniert oder weil doch die psychiatrische Erkrankung so ausgeprägt ist, dass das Kind einfach noch mehr Unterstützung braucht als man in einem normalen Familienalltag bieten kann?

00:38:27: Welche Rolle spielen insgesamt soziale Faktoren?

00:38:30: Die Soziostruktur, in der ein Kind groß wird.

00:38:33: Bildung im Wohnort – welche Bedeutung hat das?

00:38:36: Ist da irgendwann Zeitensicht etwas ab, dass Kinder aus bestimmten Milieus häufiger krank werden oder bei ihnen aufgenommen werden als aus anderen Bereichen?

00:38:46: Verschiebt sich da vielleicht auch was in den letzten Jahren?

00:38:48: Also wir haben tatsächlich die ganze Bandbreite der sozialen Schichten.

00:38:52: Das muss man erst mal sagen.

00:38:54: also leider vor einer psychischen Erkrankung ist niemand gefeit.

00:38:58: Das finde ich auch immer noch mal wichtig, das man so ein bisschen auch die Idee hat okay im Zweifel könnt es mich auch treffen dass verändert vielleicht nochmal ein bisschen den Blick auf die anderen Personen.

00:39:11: und klar Vielleicht haben Kinder aus niedrigeren sozialen Schichten und mit Migrationshintergrund, haben sicher mehr Risikofaktoren.

00:39:21: Sodass wir schon grundsätzlich sagen würden, dass das eine etwas gefährdetere Gruppe an Minderjährigen ist.

00:39:30: Und ja auch deshalb so versucht wird gerade da vielleicht ein bisschen mehr in Richtung Prävention.

00:39:36: Auch gerade mit diesen Gruppen zu arbeiten, weil da schon die Hoffnung wäre, psychiatrische Erkrankungen sogar verhindern oder zumindest sehr früh erkennen kann, weil natürlich das gilt im Erwachsenenbereich genauso.

00:39:52: Umso früher wir internvenieren, desto weniger ist natürlich das Risiko dass so eine Erkrankung chronifiziert.

00:40:00: Das heißt das ist auch das was wir uns sehr wünschen würden und deshalb es ist so schade Versorgung nicht noch besser ist, weil wir dann früher eingreifen könnten und denke ich noch vieles mehr verhindern können.

00:40:12: Wichtiges Thema das wäre nämlich das nächste in dem wir einfach mal vielleicht auf die Finanzierung der Kinder- und Jugendpsychiatrien schauen oder des gesamten Hilfesystems.

00:40:24: Es wird ja immer verlangt, man soll möglichst kostendeckend arbeiten.

00:40:27: Aber es gibt einen erhöhten Handlungsbedarf.

00:40:31: Sie haben auch gesagt wir sind im Ernstfall verpflichtet ein Kind aufzunehmen und schicken keinen nach Hause der unsere Hilfe braucht.

00:40:37: Daraus resultiert die Frage ob Kinder- und Jugendpsychiatrien überhaupt kostendecken arbeiten können?

00:40:42: Und die nächste Frage, die sich anschließt sollen sie überhaupt müssen weil ja Sie haben es gerade eben schon auch angedeutet jede Erkrankung frühen Stadion behandelt, wird womöglich keine die im Erwachsenenalter nochmal wieder aufploppt.

00:40:57: Wie sehen Sie die Rahmenbedingungen auch für Kinder- und Jugendpsychiatrien gerade mit Blick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit?

00:41:05: Also die Kliniken haben im Moment tatsächlich eine sehr, sehr schwere Zeit.

00:41:10: Wir haben eine Personalrichtlinie, die ab diesem Jahr scharfgeschaltet ist und uns vorgibt wie viele Minuten pro Patient der verschiedenen Berufsgruppen wir vorhalten müssen.

00:41:26: Das heißt ich habe einen Personalstamm der verschiedenen Berufsgruppe und habe eine bestimmte Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die ich mit diesem Stamm sozusagen behandeln kann.

00:41:40: Und gerade wir als Versorgungsklinik, die wir ja zuständig sind für alle Kinder und Jugendlichen, die grade in Not sind.

00:41:48: Ich habe Ihnen ein bisschen geschildert dass es auch im Jahresverlauf schon deutliche Schwankungen gibt.

00:41:53: unser Personal ist aber natürlich immer das gleiche und wir natürlich kein Kind weg schicken was gefährdet ist es für uns schon eine richtig große Herausforderung, weil wenn wir zu viele Patienten aufnehmen und stationär behandeln dann müssen wir tatsächlich Strafzahlungen zahlen dafür dass wir für diese Kinder und Jugendlichen in dem Moment nicht genug Personal zur Verfügung hatten.

00:42:23: ist für uns schon ein großer Spagat zwischen sozusagen Wirtschaftlichkeit, Sanktionen vermeiden und gleichzeitig aber was natürlich unser allerhöchstes Gut ist eine gute Versorgung der Kinder- und Jugendlichen zu gewährleisten.

00:42:39: tatsächlich aber auch wieder deutschlandweit für alle Kinder und Jugendpsychiatrie eine ganz, ganz große Herausforderung.

00:42:46: Und hinzu kommt leider das eben auch der ambulante Sektor nicht gut ausgestattet ist so dass die Kliniken vieles auch auffangen müssen in den Klinikambulanzen aus unserer Sicht auch nicht auskömmlich finanziert sind, was sozusagen das restliche Hilfesystem.

00:43:09: Auch die Jugendhilfe, die einfach mit massiven Problemen und Personalproblemen zu kämpfen hat, was sie sozusagen nicht schaffen zu leisten.

00:43:18: Das heißt wir sind ein bisschen immer die letzte Wiese bei ganz vielem Und haben einen riesigen Anspruch und machen das wirklich auch mit Freude den Kindern und Jugendlichen zu helfen.

00:43:30: aber tatsächlich die Finanzierung sitzt uns sehr im Nacken.

00:43:35: Fehlt da die Anerkennung dessen, was man tut oder ist es wirklich nur und alleine dem wirtschaftlichen Druck geschuldet?

00:43:42: Es ist ja auch immer eine Frage von Wertigkeiten.

00:43:46: Ich glaube zumindest, dass diejenigen, die betroffen sind und dann unsere Arbeit erleben.

00:43:51: Dass sie das sehr wertschätzen und wir bekommen auch ganz viel positives Feedback.

00:43:57: Es ist das altbekannte Problem, dass Kinder- und Jugendliche in der Politik leider nur eine sehr kleine Lobby haben.

00:44:06: tatsächlich was, was ich immer rauf und runter diskutiere.

00:44:09: Weil mir das auch nicht klar ist selbst wenn ich nur mit der wirtschaftlichen Brille drauf gucken würde dann würde ich doch auch versuchen möglichst Erkrankungen im Keim zu ersticken sozusagen und gucken dass die dass sich die psychische Gesundheit fördere weil Reihen von den Kosten, die Steuerzahle für die Krankenkassen entstehen.

00:44:33: Wenn ein Mensch psychisch krank ist sein Leben lang?

00:44:36: Die sind ja enorm!

00:44:38: Da bin ich noch nicht mal dabei dass es mir um den einzelnen Menschen geht sondern da kann ich sogar bei der Wirtschaftlichkeit bleiben.

00:44:45: Aber das ist schwer so durchzusetzen und da gehört zu finden.

00:44:52: Ja, es geht ja weiter nicht nur in den Kliniken sondern auch im Hilfesystem danach.

00:44:56: Kinder- und Jugendpsychologen sind ragesäht.

00:44:59: Sie haben schon gesagt die Wartezeiten sind auch sehr lang Und zum Dank hat man gerade noch die Vergütung bei den Psychologinnen und Psychologen gekürzt.

00:45:10: Was braucht es denn da, um dieses System zu stärken?

00:45:13: Es kann ja nicht sein dass ein Kind das erkrankt ist sich quasi selbst chronifiziert weil es keine richtigen Hilfsangebote gibt an anderer Stelle.

00:45:25: Also ich denke, wir müssen uns klarmachen dass wir wahrscheinlich nicht viel mehr Menschen zur Verfügung haben werden die sozusagen diese Funktion auch ausüben.

00:45:37: Teilweise müssen wir aber auch sagen das eben durch schlechte Rahmenbedingungen wie auch gut ausgebildete junge Leute aus der klinischen Arbeit raus treiben in die Wissenschaft, Wirtschaft oder in andere Zweige.

00:45:51: Das heißt, die guten Rahmenbedingungen, dass es auch da eine vernünftige Ausfinanzierung gibt wäre sozusagen das Eine aus meiner Sicht aber Ich sag's jetzt mal Allokation.

00:46:05: Also ich glaube, wir sind teilweise schon dabei, dass wir zum Beispiel über manche psychotherapeutischen Angebote aber z.B.

00:46:16: auch psychosomatische Kliniken die die viel leichteren Fälle behandeln wo wir vielleicht sagen würden das muss gar nicht unbedingt stationär Aber viele der sozusagen sehr raren Fachkräfte gebunden werden uns das dann auch weniger Ressourcen für die schwerkranken Patientinnen und Patienten zur Verfügung gestellt.

00:46:38: Also wir müssten noch mal gut gucken, wer braucht wirklich was?

00:46:42: Und gibt es nicht vielleicht auch andere niederschwelligere Angebote?

00:46:46: da ist immer so das Umfeld Schule ist immer ein so'n Punkt wo man die Idee hat dass das die Lebensrealität der Kinder- und Jugendlichen ist wo man vielleicht auch schon ziemlich viel einweben könnte frühzeitig sozusagen auch resilient stärkt, damit es gar nicht so weit kommt und dann ein bisschen besser durchdekliniert.

00:47:07: Wer braucht von den Fachkräften?

00:47:10: Dann wirklich wen!

00:47:12: Also wir haben viele Menschen im System – wenn man auch sieht die Zahl der Kinder- und Jugendpsicherheit hat, steigt immer mehr auch der Niedergelassenen.

00:47:20: also der Bedarf wird größer.

00:47:23: aber ich glaube wir müssen tatsächlich gucken Wer bekommt was, sodass wir alle mit den vorhandenen Ressourcen gut versorgt kriegen?

00:47:33: Aber hat

00:47:33: das vielleicht auch die Schwierigkeit damit zu tun dass so unterschiedliche Player daran beteiligt sind.

00:47:37: Bestimmte Hilfsangebote werden über ein Bezirk finanziert andere werden über die Krankenkassen finanzieren.

00:47:43: Das Bildungsministerium ist womöglich noch mehr Blick auf die Schule an all diesen Dingen beteiligen.

00:47:47: Die Krankenkasten des Gesundheitsministeriums ist beteilig.

00:47:52: macht es diese Sache auch so komplex weil eigentlich die player unterschiedliche Interessen haben?

00:47:57: Auf

00:47:57: jeden Fall.

00:47:58: Das ist unsere größte Herausforderung, dass letztendlich auch in den Behandlungssystemen jeder natürlich seine Pfunde sichern möchte und da dann manchmal wenig Verzahnung ist ... Und tatsächlich wir uns auch.

00:48:13: eine bessere Zusammenarbeit noch mal zwischen den Ministerien, die Sie gerade auch angesprochen haben.

00:48:18: Sozialministerium, Gesundheitsministerium

00:48:20: und Fultus.

00:48:20: Ich kenne es aus einem puteren Bereich, das ist schon eine Herausforderung, gell?

00:48:23: Genau!

00:48:24: Das ist es bei uns auch.

00:48:26: Wir versuchen immer wieder über verschiedene Konferenzen, Rundetische und so... Aber man merkt einfach, dass es schwierig ist, besser zu verzahnen.

00:48:35: Tatsächlich wäre das genau das.

00:48:38: Also wer bräuchte ne bessere Verzahnung?

00:48:40: Wir machen manchmal auch Dinge doppelt, obwohl die Ressourcen eigentlich nicht da sind.

00:48:46: Und das genau meine ich mit der Allokation.

00:48:47: wir müssen besser ineinandergreifen gucken wer braucht was und dann Zielgerichte zuordnen und das passiert leider Noch nicht gut genug.

00:48:58: Lassen wir die Politik hinter uns und gucken noch einmal aufs Kind?

00:49:02: Wenn jetzt ein Kind seinen Klinikaufenthalt beendet hat, bekommt man dann einen enttödlichen repariertes Kind zurück.

00:49:09: oder wie ist der Status danach eigentlich?

00:49:12: Welche Erwartungen davon haben?

00:49:13: und welche darf man vielleicht auch nicht haben?

00:49:15: Also das ganz reparierte Kind, das darf man bitte nicht erwarten.

00:49:20: Man darf schon erwarten dass wir gut sortiert bekommen haben, dass wir eine vernünftige Diagnostik gemacht haben.

00:49:29: Dass wir sozusagen das Kind auch soweit vorbereiten konnten während eines Aufenteiltes.

00:49:36: Das wieder erste Schritte dann in ein Gut durchgeplanten.

00:49:41: Da machen wir mit den Eltern zusammen.

00:49:43: Wir haben zum Beispiel auf ganz vielen Stationen die Angebote, dass die Kinder erst mal stationär sind und wir dann auf der Station integrierte Teilstation Plätze haben, um dann sozusagen im tagesklinischen Setting Kind übernachtet unter der Woche zu Hause ist am Wochenende Zuhause nochmal vermehrt die Belastung zu erproben und dann so eine schrittweise Wiedereingliederung machen zu können.

00:50:09: Das ist auf jeden Fall was wir leisten können.

00:50:12: Was mir immer noch wichtig ist Wir brauchen natürlich für einen offen stationären therapeutischen Aufenthalt brauchen wir eine gewisse Motivation des Kindes, des Jugendlichen.

00:50:26: Also akut aufgenommen im Zweifel auch in einem geschützten Setting ... gegen den Willen erst mal des Patienten, um Leib und Leben zu schützen.

00:50:37: Das ist selbstverständlich.

00:50:39: aber wenn dann sozusagen das Kind der Jugendliche sich wieder stabilisiert hat und wir zum Beispiel sagen Wir würden dir eine offen stationäre eine tagesklinische Weiterbehandlung empfehlen Aber dass kind in dem moment sagt ich bin dazu nicht bereit aus denen und den gründen Dann ist es natürlich was was wir erstmal akzeptieren müssen wo wir die Familien unterstützen werden, trotzdem ein gutes Hilfesystem zu haben.

00:51:03: Aber eine Behandlung und gerade Psychotherapie kann man auch nicht durchführen wenn derjenige um den geht dazu vielleicht auch nicht bereit ist.

00:51:15: das kann sich ja dann auch im Laufe der Zeit verändern.

00:51:18: mir es auch immer wichtig dass Selbst wenn die Jugendlichen gehen und sagen, wir fangen das hier als total blöd.

00:51:24: Und wir wollen gar nichts von euch.

00:51:25: Und zwei Wochen später merken, manche bräuchten doch die Unterstützung der Klinik, dass man wirklich jederzeit zurückkommen darf, dass wir nicht böse oder beleidigt sind, sondern das kennen, dass es einfach manchmal Zeit braucht und ein bisschen auf den aktuellen Zustand kann.

00:51:40: Wäre auch so ein bisschen der Blick noch mal was mache ich?

00:51:42: Das Kind kommt nach Hause und irgendwann geht's wieder schlechter.

00:51:45: also Die Rückfahrkarte gibt es immer.

00:51:47: sie bleiben Ansprechpartner von dem Moment, wo eigentlich keine direkte klinische Versorgung mehr da ist.

00:51:54: Auf jeden Fall!

00:51:54: Wir sind immer Ansprechpartner.

00:51:56: aber wir versuchen schon auch bei Entlassungen egal ob es relativ hoppla die Hopp kommt oder besser geplant ist schon auch irgendwo so ein Helfersystem schon mal aktiviert zu haben sodass dann die Schritte auch besprochen sind mit den Familien damit sie nicht ganz alleine dastehen.

00:52:16: Frau Böhren, ich könnte jetzt noch stundenlang mit Ihnen weiter sprechen.

00:52:19: Ich danke Ihnen an dieser Stelle wirklich für den Besuch hier im Theater Haar und für diese wirklich spannenden Einblicke und diese notwendigen Einblickel.

00:52:27: Dieses Thema liegt mir persönlich auch... ziemlich am Herzen, weil ich immer denke wir haben darüber kurz gesprochen.

00:52:32: Dass alles das was man bei Kindern behandelt dann hoffentlich im Erwachsenenalter keine Rolle oder nicht mehr so eine starke Rolle spielt und wir damit vielleicht auch spätere Aufnahmen die Psychiatrie sich nicht wie kann verringern können.

00:52:46: also es war wirklich ein tolles Thema ein wichtiges Thema und Ihnen als Zuhörer danke ich natürlich auch für Ihre Zeit und hoffe dass wir ihn auch an dieser Stelle wieder Einblicke gewähren konnten in die psychiatrische Versorgung von Menschen.

00:52:59: Psyche im Quadrat ist eine Gemeinschaftsproduktion der oberbayerischen Selbsthilfe-Psychiatrieerfahnder, der Angehörigen in Oberbayern den Kliniken des Bezirks Oberbayers und dem Bezirk Oberbayeren.

00:53:10: Weitere Informationen und Kontakte finden Sie auch weiterhin in unseren Schurnotes.

00:53:14: Feedback und Anregungen können sie dann direkt an uns als Beteiligte über die wahligen Webseiten richten.

00:53:22: Unsere nächste Folge ist dann auch wieder eine ganz spannende, die wird da nämlich am zehnten Neunten-Zwei-Tausend-Sächsenzwanzig zu hören sein.

00:53:28: Das ist nämlich der Internationale Tag der Suizidprävention und genau mit diesem Thema werden wir uns dann auch beschäftigen!

00:53:35: Ich würde mich dann freuen wenn Sie auch dann wieder dabei sind.

00:53:38: bis dahin wünsche ich Ihnen eine gute Zeit.

00:53:40: bleiben sie oder werden sie zuversichtlich und an Sie noch mal Frau Dr.

00:53:44: Björn ganz herzlichen Dank.

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